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Wirtschaftleistung schrumpft:Europa auf dem Weg in die Rezession

Da kann auch das robuste Deutschland nichts retten: Die Wirtschaft der krisengeplagten Euro-Zone stagniert nicht mehr, sie schrumpft jetzt. Rutschen die Staaten im Süden weiter ab, droht nach dem Sommer eine Rezession.

Das Wirtschaftswachstum stabiler Länder wie Deutschland und der Niederlande kann den Einbruch in Südeuropa nicht mehr ausgleichen. Die Wirtschaftsleistung in der gesamten Euro-Zone ist im zweiten Quartal geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern mit der Gemeinschaftswährung ging um 0,2 Prozent zurück. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mit.

Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung noch stagniert. Folgt auf dieses Quartal ein weiteres, in dem die Wirtschaft schrumpft, trifft die allgemein akzeptierte Definition einer Rezession zu - es wäre die erste in der Euro-Zone seit 2009. Ende 2011 hatte es einen zwischenzeitlichen Einbruch für ein Quartal gegeben.

Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen es ökonomisch nach wie vor noch relativ gut aussieht. Kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal auf Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zu Jahresbeginn, im ersten Quartal, waren es noch 0,5 Prozent. Damit hatte Deutschland noch verhindert, dass die Euro-Zone insgesamt schrumpft.

Vor allem in Südeuropa bricht die Wirtschaft ein. In Italien nahm das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ab, in Spanien um 0,4 Prozent. Belgien meldet einen Rückgang von 0,6 Prozent. Frankreichs Wirtschaft stagnierte - zum dritten Mal in Folge. In den Niederlanden wuchs das Bruttoinlandsprodukt entgegen den Erwartungen um 0,2 Prozent.

Im Sommer könnte aber auch Deutschlands Volkswirtschaft schrumpfen. Exporte, Produktion und Industrieaufträge waren zuletzt gesunken. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Konjunkturbarometer liegt auf dem niedrigsten Niveau seit März 2010. Auch die Bundesregierung befürchtet einen Rückschlag angesichts der Dauerkrise in Europa. "Die weiteren Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben erst einmal verhalten und sind mit erheblichen Risiken behaftet", warnte das Wirtschaftsministerium jüngst: "Vor allem die Schuldenkrise in einigen Ländern des Euro-Raums wirkt erneut belastend, schürt Verunsicherung und führt zu Zurückhaltung in der Wirtschaft." Zudem bleibe die Weltwirtschaft fragil.