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Windows-Flops:Fenster zum Schrottplatz

Illustration: Stefan Dimitrov

Microsoft herrschte einst über die Welt der Betriebssysteme, doch es gab auch so manche Flops.

Von Helmut Martin-Jung

Ja klar, so ein Betriebssystem besteht inzwischen aus Milliarden Zeilen Programmcode, Tausende Menschen arbeiten daran - wie könnte das ohne Fehler sein? Kein vergleichbares Programm ist ohne Bugs, Englisch für Ungeziefer, wie die Programmierer das nennen. Aber Microsoft, der größte Software-Konzern der Welt, hat seinen Nutzern oft genug auch Dinge zugemutet, die wirklich vermeidbar gewesen wären. Eine kleine Zeitreise zu den größten System-Flops aus Redmond.

Millennium Edition

Das System mit dem hochtrabenden Namen hätte es eigentlich gar nicht mehr geben sollen. Aber dann entschied sich Microsoft doch, noch eine weitere Version zu bauen, bei der über ein Fundament aus dem alten Disk Operating System (DOS) eine Fenster-Oberfläche gestülpt wurde. Da sich das Projekt verzögerte, blieben allerdings viele interessante Ideen auf der Strecke. Und zu diesem Windows gab es auch keine Service Packs, das sind größere Pakete mit Updates und Verbesserungen. Stattdessen brachte der Konzern bereits 2001 Windows XP heraus. Obwohl auch XP viele Bugs hatte und seine Sicherheit schwer zu wünschen übrig ließ, trauern ihm viele noch heute nach. Wenn sie es nicht sogar noch einsetzen - so wie die Berliner Stadtverwaltung, wo die Umstellung einfach nicht vorankommt.

Vista

Erst dauerte es ziemlich lange, bis es auf den Markt kam, dann erwies es sich als größter Flop, den Microsoft jemals produziert hatte. Windows Vista wollte beeindrucken mit optischen Effekten, brachte ein neues Sicherheitskonzept mit. Doch der Eindruck, der sich bei den Nutzern einstellte, war ein anderer. Ständig beschäftigte sich das Betriebssystem nur mit sich selbst, anstatt - wie es der Name eigentlich sagt - den Betrieb des Computers zu regeln, und das bitte möglichst geräuschlos.

Das Vista auch Neuerungen wie eine Spracherkennung enthielt, ging völlig unter. Vor allem deshalb, weil es der Konzern versäumt hatte, die Zulieferer einzubinden. Für viele Peripheriegeräte wie Drucker, Scanner und so weiter gab es anfangs keine Treibersoftware - erst nach Monaten besserte sich das. Viele Kunden zogen daraus die Konsequenz und orderten ihre neuen Geräte mit dem Vorgängersystem XP. Da Vista so hohe Anforderungen an die Hardware stellte, musste Microsoft auch zähneknirschend zulassen, dass auf den damals beliebten Netbooks - kleinen und leichten, aber schwachbrüstigen Laptops - weiter XP lief. Für Endverbraucher war Vista von Januar 2007 an verfügbar - in diesem Monat stellte übrigens Steve Jobs das erste iPhone vor - der neue Maßstab für Benutzerfreundlichkeit.

Windows 8

Wie bringt man zwei verschiedene Welten zusammen? Die richtige Antwort wäre gewesen: Gar nicht, denn sie gehören nicht zusammen. Microsoft versuchte den Spagat und fiel auf die Nase. Nachdem Vorgänger Windows 7 (2009) endlich eingelöst hatte, was Vista versprochen hatte, glaubte Microsoft zu wissen, was sich die Nutzer wünschten. Und versuchte, ein System zu entwickeln, das sich sowohl für Tablets eignen würde - also die Bedienung mit den Fingern - als auch für PC und Laptops ohne Berührungsbildschirm. Die Nutzer erschraken nicht bloß ob der für sie völlig fremden Kachel-Oberfläche. Sie taten sich auch schwer, Dinge zu finden, die Microsoft plötzlich ganz woanders hin gesteckt oder gar abgeschafft hatte. Prominentestes Opfer war der Start-Knopf.

Mit der Version 8.1, die Microsoft hastig nachschob, kehrte er wieder zurück, wenn auch nur halb. Bei Windows 10, von dem es momentan Vorabversionen zum Testen gibt, ist er wieder da. Die Kacheln erscheinen rechts davon, auf Wunsch auch so viele, dass die Oberfläche Windows 8 ähnelt. An diesem System war beileibe nicht alles schlecht - wer sich an die Kacheln gewöhnt hatte, mochte sogar deren Eigenschaft, Inhalte schon anzuzeigen, bevor man ein Programm explizit geöffnet hatte. Facebook-Nachrichten und Tweets, Betreffzeilen neuer Mails zeigen die lebenden Kacheln, wie Microsoft sie nennt, bereits auf dem Startbildschirm an. Dass es aber zwei Varianten davon gibt, wie man die Einstellungen des Computers ändert, die ständigen Wechsel zwischen der Kachel- und der normalen Oberfläche, das verzeihen die Kunden bis heute nicht, und es ist auch unverzeihlich.

Windows RT

Es war eine kleine Sensation, als Microsoft ankündigte, erstmals werde ein Windows-System auch auf Prozessoren laufen, die nicht nach Intels Vorgaben konstruiert sind, sondern nach denen von ARM. Doch dass dann auch alle Windows-Programme nicht liefen, außer die für die neue Kachel-Oberfläche, ließ den Enthusiasmus schnell erkalten.

© SZ vom 25.03.2015
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