Weltwirtschaft Lagarde warnt vor Abschwung

"Unsere Erfahrungen aus sechzig Jahren mit 180 Ländern beweisen, dass gemeinsamer Handel Investitionen fördert, in Maschinen, Fabriken und viele andere jobschaffende Bereiche", sagt Christine Lagarde

(Foto: Reuters)

Die IWF-Chefin ist besorgt - und setzt sich nachdrücklich für freien Welthandel ein.

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Die Weltwirtschaft befindet sich nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) "in einem heiklen Moment". Die internationalen Wachstumsbedingungen hätten sich deutlich verschlechtert, warnte IWF-Chefin Christine Lagarde laut Redemanuskript am Dienstag in Washington. Man stehe am Scheidepunkt. Lagarde forderte die Regierungen auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass sich der wirtschaftliche Abschwung fortsetze. Dazu gehöre, dass alle Länder ihre Hausaufgaben erledigen sollten. "Bereits vor einem Jahre haben Sie mich sagen gehört, dass noch die Sonne scheint, aber es Zeit ist, das Dach auszubessern", sagte Lagarde. Die Regierungen müssten die richtige Balance finden zwischen wachstumsfördernden Maßnahmen, sozialen Projekten und tragbaren Schulden. Die IWF-Chefin befürwortet steuerliche Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung.

Lagarde warnte zudem vor nationalistischen Tendenzen und monopolistischen Unternehmen. Es gebe wirtschaftliche Bereiche, wo die Marktmacht einer Konzerne enorm angewachsen sei. Neue Studien des IWF hätten gezeigt, dass nationale Champions in entwickelten Marktwirtschaften "nur sehr geringen Einfluss" hatten auf Investitionen, Produktion und den Anteil an nationalen Einkommen, den Arbeiter und Angestellte erhielten. Anderseits seien marktbeherrschende Konzerne für die höchsten Preisaufschläge verantwortlich. Das beziehe sich nicht nur auf die bekannten Digitalkonzerne.

Lagarde forderte nachdrücklich, am freien Welthandel festzuhalten. "Unsere Erfahrungen aus sechzig Jahren mit 180 Ländern beweisen, dass gemeinsamer Handel Investitionen fördert, in Maschinen, Fabriken und viele andere jobschaffende Bereiche", sagte sie. "Zölle und Abgaben dagegen verhindern ganz klar Investitionen und Jobs." Die IWF-Chefin warnte vor neuen Handelshemmnissen in einer Zeit, in der das Wachstum ohnehin schon schwach sei. Falls auf alle Güter im Handel zwischen China und den USA Zölle in Höhe von 25 Prozent erhoben würden, werde das Bruttosozialprodukt der USA um bis zu 0,6 Prozentpunkte sinken und das Chinas um bis zu 1,5 Prozentpunkte. "Diese selbst verschuldeten Wunden sollten wir vermeiden", sagte Lagarde. In gut einer Woche werden sich die Mitglieder des IWF zu ihrer jährlichen Frühjahrstagung in Washington treffen.