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Weltwirtschaft:Die Welt bleibt flach

Billiger und besser - oder wenigstens exotischer - das sind die zwei Motive dafür, dass wir immer mehr Güter transportieren. Werden steigende Ölpreise daran etwas ändern? Ökonomen sprechen davon, dass sie in der Wirkung einer Wiedereinführung von Zöllen gleichkommen. Von zehn Prozent beim aktuellen Ölpreis von 150 Dollar ist die Rede. Aber darin enthalten sind alle Transportkosten, auch die vergleichsweise hohen für die letzten Kilometer im eigenen Land.

Von der Küste ins Hinterland

Nach allem, was bisher zu hören ist, kehren die meisten Unternehmen nicht um, sondern bewegen sich vorwärts. Bei der Masse der Massenware zählt nur billige Arbeitskraft, weswegen manche Hersteller ihre Fabriken zurzeit auf der Suche nach niedrigen Löhnen von der teuren Küste Chinas ins Hinterland verlagern und noch höhere Transportkosten in Kauf nehmen, weil das Produkt in der Summe billiger in Europa ankommt.

Vielleicht nutzt der neue Chef des Staubsaugerherstellers Vorwerk, Peter Oberegger, die Gunst der Stunde und lobt die Vorzüge des Standortes Deutschland, vielleicht beendet der Stofftier-Hersteller Steiff sein Experiment Teddy-Produktion in China. Aber beide stellen Luxuswaren her, bei denen es auf die Qualität ankommt, und für die sich die Vorteile der teureren, aber besser ausgebildeten europäischen Arbeiter rechnen. Solche Rückverlagerungen sind ungewöhnlich, sie sind uns sympathisch, und sie finden deshalb große Beachtung. Aber sie sind eine Ausnahme, und sie werden auf das kleine Segment der Qualitätswaren beschränkt bleiben, solange ein Interkontinental-Transport ein halbwegs vernachlässigbarer Posten in der Stückkosten-Kalkulation bleibt.

Davor, dass es einmal nicht mehr so sein könnte, hat das ganze Transportgewerbe Angst und verhält sich entsprechend. Die Reedereien lassen ihre Frachter langsamer fahren, um Sprit zu sparen. Die Fluggesellschaften drängen die Hersteller, sparsamere Flugzeuge zu bauen, und Fuhrunternehmer lauern auf verbrauchsarme Lastwagen. Manchmal werden bereits sparsamere Verkehrsmittel benutzt. So wird ein Teil der in der Nordsee gefangenen Krabben nicht mehr mit Lastwagen nach Marokko gefahren, wo sie gepult werden, sondern mit dem Schiff. Auch manche Textilie, zurzeit immerhin 13 Prozent der Luftfracht zwischen Asien und Europa, wird den Seeweg nehmen. Und die Güterbahnen könnten gewinnen - baute man wichtige, oft überfüllte Schienenwege aus. Trotzdem würde wohl kaum weniger gefahren.

Das ist der eigentliche Effekt des steigenden Ölpreises: Die Sandale wird weiter billig hergestellt. Der Dreck, den der Transport jeder einzelnen verursacht, dürfte etwas weniger werden.

© SZ vom 12.07.2008/mel

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