Vorreiter Dänemark Klein, aber IT!

Vorne dran sieht sich Dänemark nicht nur bei der Verkehrspolitik - hier eine Brücke für Radfahrer in Kopenhagen - sondern auch bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

(Foto: Thomas Høyrup Christensen)

Das skandinavische Land will mit der Digitalisierung auf Erfolgskurs bleiben und damit auch dem großen Nachbarn Deutschland helfen.

Von Helmut Martin-Jung

Am Ende, sagt Anders Samuelsen, ist es eben eine Sache des Vertrauens. In Dänemark, sagt der 49-Jährige Liberale, der seit Ende 2016 als Außenmister des kleinen skandinavischen Landes amtiert, vertrauten die Bürger ihren Behörden. "Da gab es keine Debatten." Schon seit mehr als 100 Jahren erhalte jeder Bürger bei der Geburt eine Nummer, die dann sein gesamtes Leben über gültig ist. Und nicht zuletzt deshalb sei die Verwaltung schon in einem hohen Maß digitalisiert. 87 Prozent aller Anträge werden digital eingereicht, 89 Prozent der Bürger nutzen die sogenannte E-Boks, einen offiziellen E-Mail-Dienst. Und Bargeld fließt beim Zahlungsverkehr in Behörden überhaupt keines mehr.

Doch nicht bloß, was die Verwaltung angeht, ist Dänemark bei der Digitalisierung vorne dabei. Auch in der Wirtschaft hat man begriffen, dass man die Digitalisierung als Chance sehen muss. Dänemark mit seinen nur gut 5,8 Millionen Einwohnern (Grönland und die Färöer-Inseln mitgezählt) liegt auf dem Digitalisierungsindex der EU-Kommission an der Spitze - vor Finnland, Schweden und den Niederlanden. Deutschland erscheint in dieser Statistik erst auf Platz elf.

Noch weiter im Hintertreffen liegt der große Nachbar Deutschland bei den Preisen für Datenvolumen im Mobilfunk. Für gut 26 Euro bekommt man laut dem Digital Fuel Monitor (Stand: November 2016) in Deutschland gerade einmal sechs Gigabyte pro Monat. Das ist der drittletzte Platz in der EU. Der Spitzenreiter? Auch hier liegt Dänemark erneut vorne. Für nur 15,50 Euro pro Monat können die Dänen mobil unbegrenzt Daten abrufen.

Wegen solch guter technischer Voraussetzungen glaubt man in Dänemark, man könne Deutschland und anderen Ländern in Sachen Digitalisierung weiterhelfen. Das Land hat daher auch die Stelle eines Digitalbotschafters geschaffen. Kooperationen mit dänischen Unternehmen anzubahnen, den Kontakt zu großen Playern wie etwa Google oder Facebook zu halten, das sind Samuelsen zufolge seine Aufgaben. Diese Stelle, im Januar angekündigt, soll nun im Sommer besetzt werden, sagt der Außenminister.

Der Dienstsitz wird zwar das Silicon Valley sein. Aber Dänemark bemüht sich auch anderweitig, für seine IT-Fachkräfte und seine IT-Firmen zu werben. Die Menschen, sagt Samuelsen seien gut ausgebildet, die Firmen dynamisch. In der dänischen Auslandsvertretung in München gibt es ein Innovationszentrum, Generalkonsulin Helle Meinertz ist zugleich auch Direktorin dieses Zentrums.

Warum ausgerechnet München? Dänemark ist wirtschaftlich zwar schon länger eng mit Deutschland verflochten. Doch, sagt Minister Samuelsen, das Volumen der Geschäfte mit Deutschland ist im Norden etwa zehnmal so hoch wie im Süden. Gerade im Süden aber sitzt ein Großteil von Deutschlands Industrie - und das ist auch der Grund dafür, weshalb Samuelsen zur Hannover-Messe, auf der dänische Firmen gut vertreten waren, gekommen ist und auch nach München. Auf dem Terminplan standen unter anderem Besuche beim neuen Zentrum fürs Internet der Dinge (IoT) bei IBM, bei BMW und beim Finanzminister.

"Als Hochlohnland müssen wir erfinderisch sein", sagt der dänische Außenminister

Aber wieso sollten deutsche Unternehmen gerade mit dänischen zusammenarbeiten? "Als Hochlohnland müssen wir erfinderisch sein", sagt Samuelsen, "mehr und mehr dänische Firmen bringen alte und neue Technik zusammen", sprich: Sie helfen der Industrie dabei, ihre Anlagen zu digitalisieren. "Wir haben viele junge Leute, die sich da sehr gut auskennen, wir sind flexibel bei Lieferterminen und in unserer Art zu denken." Sogar die Mentalität der Dänen, die als eines der glücklichsten Völker der Erde gelten, passe gut zum Süden Deutschlands.

Als die Textilindustrie, früher ein wichtiger Wirtschaftszweig in Dänemark, in Billiglohnländer abwanderte, hätten viele gedacht: Was sollen wir jetzt bloß tun? "Doch es gab in der Folge mehr und bessere Jobs, wir waren eben gute Geschäftsleute,"sagt Samuelsen. In Dänemark würden nun die Entwürfe für Kleidung gemacht und die Logistik gesteuert.

Innovation, Samuelsen ist das sehr wichtig, sei eben unverzichtbar, wenn man hohe Löhne zahlen müsse. Doch der Spagat scheint zu gelingen: "Uns geht es immer noch gut", so der Minister stolz.

Damit Firmen es leichter haben, haben die Dänen bürokratische Hürden gesenkt, "es ist bei uns sehr einfach, eine Firma zu gründen", sagt Samuelsen. Vom Süden Deutschlands will Dänemark aber auch lernen, sagt der Minister, "hier passieren gerade viele Dinge".