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Von Deutschland nach Rumänien:Einer ist immer noch günstiger

Nokia bestätigt einen Trend, der nicht nur Deutschland trifft: Produziert wird dort, wo es am wenigsten kostet.

Es ist ein wohlbekanntes Lied, das dieser Tage in Bochum zu hören ist. Von Effizienz ist da die Rede, von Produktivität und Kostendruck. Diese Reden wird es bald nicht mehr nur in Deutschland geben, glaubt Michael Grömling, Professor am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

In Zukunft könnten Unternehmen ihre Produktionsstätten auch aus Ländern wie Tschechien, Polen oder Ungarn wieder abziehen, sagt Grömling. Denn: "Einer ist immer billiger."

Die Suche nach günstigen Produktionsbedingungen ließe die Industrie einen regelrechten Wanderzirkus veranstalten. Bis vor kurzem hätten viele Staaten Osteuropas aufgrund des vergleichsweise geringen Lohnniveaus als mögliche neue Heimat für westliche Fabriken gegolten, sagt Michael Grömling. "Das Einkommensniveau in den neuen EU-Staaten ist mittlerweile aber deutlich gestiegen."

Im Vergleich zur Konkurrenz aus Rumänien oder China seien tschechische Fabrikarbeiter heute für viele Unternehmen schon wieder zu teuer geworden. "Die Konzerne verlagern ihre Produktion dorthin, wo es noch günstiger ist", sagt Grömling.

Schließlich hätte sonst die noch weiter im Osten produzierende Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil. Auf Polen und Tschechien folgten Rumänien und die Ukraine, derzeit punkte China mit billigen Arbeitskräften.

Auch die nächste Station glaubt Grömling bereits zu kennen: "Afrika wurde bisher erst von Teilen der Textilindustrie entdeckt. Es wäre nur logisch, wenn dort in den nächsten Jahren mehrere große Unternehmen Produktionsstätten errichten würden."

Verlagerung nicht immer sinnvoll

Anders sieht das Norbert Wittemann vom Consultingunternehmen PRTM. "Der China-Effekt wird noch eine ganze Zeit lang anhalten", sagt Wittemann. Immer mehr Chinesen zögen vom Land in die Industriegebiete und seien bereit, für geringe Bezahlung dort zu arbeiten.

Wittemann: "Das wird das Lohnniveau niedrig und die Fabriken im Land halten." Für die Unternehmen sei es aber nicht immer sinnvoll, die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern: "Die Einsparungen müssen mindestens zwischen 15 und 20 Prozent liegen", so Wittemann. Andernfalls werde der Effekt durch längere Transportwege und höhere Ausfallrisiken wieder ausgeglichen.

Peter Englisch von Ernst & Young glaubt gar an ein Ende der Verlagerungsbewegung. Der oft rasante Anstieg des Einkommensniveaus in einstigen Billiglohnländern erschwere die Kostenkalkulation.

In Deutschland hingegen seien die realen Lohnstückkosten in den vergangenen Jahren sogar gesunken. Englisch: "So gesehen ist Nokia ein trauriges, aber bald kein typisches Beispiel mehr."