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Volkswagen:VW-Aufsichtsratschef Piëch tritt zurück

  • VW-Aufsichtsratschef Piëch legt sein Mandat nieder.
  • Der wochenlange Machtkampf mit Konzernchef Winterkorn ist damit offenbar entschieden.
  • Berthold Huber von der IG Metall übernimmt kommissarisch die Leitung des Aufsichtsrats.

Was passiert ist

Der große Patriarch tritt ab: Ferdinand Piëch erklärt seinen Rücktritt als Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats. Mit ihm geht seine Ehefrau und enge Vertraute Ursula Piëch.

Die Mitglieder haben dem Präsidium zufolge "einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist".

Was das heißt

Konzernchef Martin Winterkorn hat den wochenlangen Machtkampf bei Volkswagen für sich entschieden - und den "Alten", wie Piëch im Konzern meist genannt wird, seine erste große Niederlage beschert. Piëch wird aber auch ohne Mandat eine wichtige Rolle im Konzern spielen können. Er ist Großaktionär der Porsche Automobil Holding SE, die wiederum die Mehrheit der Stimmrechte bei der Volkswagen AG hält.

So geht es weiter

Winterkorn darf nicht nur Vorstandschef bleiben, sein 2016 auslaufender Vertrag wird verlängert. Bis zur Wahl eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wird Piëchs bisheriger Stellvertreter Berthold Huber kommissarisch die Leitung des Gremiums übernehmen.

Die Vorgeschichte

Piëch hatte Konzernchef Martin Winterkorn Mitte April öffentlich das Vertrauen entzogen "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte der Aufsichtsratschef. Es sollte der Anfang vom Ende der Ära Winterkorn im VW-Konzern sein. Lange Jahre hatte das Gespann Winterkorn und Piëch zuvor harmonisch und erfolgreich zusammengearbeitet. Doch nun wollte der Patriarch seinen einstigen Vertrauten offenbar abservieren.

Rückschläge für Piëch

Andere Mitglieder im Aufsichtsrat stellten sich jedoch demonstrativ hinter Winterkorn - sowohl Wolfgang Porsche, der Sprecher der Porsche-Familie als auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Bei einer Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums in Salzburg erlitt Piëch eine unerwartet deutliche Niederlage. Bis dahin war es stets so, dass in Personalfragen das Wort des Konzernpatriarchen quasi Gesetz war. So war es zum Beispiel beim erzwungenen Abtritt von Winterkorns Vorgänger Pischetsrieder 2006.

Doch diesmal verliert Piëch.

© Süddeutsche.de/dpa/RTR/woja
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