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Volkswagen:Einsam an der Spitze

Volkswagen - Aufsichtsratssitzung

Im Februar standen sie noch eng beieinander: VW-Chef Diess (re.) und Betriebsratschef Osterloh.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Volkswagen-Chef Herbert Diess stimmt die Mitarbeiter auf harte Zeiten ein. Doch die ziehen nicht mit.

Wer diese Rede von Herbert Diess für sich allein nimmt, der würde vermuten, dass da einer ganz souverän eine schwierige Situation löst: Zur Betriebsversammlung in Wolfsburg am Mittwoch hatte der Volkswagen-Chef geschickte Worte vorbereiten lassen: Den Kritikern schmeicheln, die Probleme benennen, das eigene Ziel erklären. Möglichst viele will er so mitnehmen bei seinen Plänen, die darauf zielen, VW zu einem Elektroauto-Anbieter umzubauen und zugleich Milliarden zu sparen über Automatisierung und schlankere Strukturen. "Es geht darum, dass wir Volkswagen bestmöglich auf die neue Zeit vorbereiten", sagte Diess am Mittwochmorgen in Halle Elf dem Manuskript zufolge.

Doch die eigenen Mitarbeiter ziehen nicht mit, zumindest noch nicht. Im Gegenteil. Nach dem Auftritt reden die Vertreter der 650 000 VW-Beschäftigten nun von "Ratlosigkeit" und "Sprachlosigkeit".

Es sei "keine ausgemachte Sache, dass wir den Wandel schaffen", sagt der Chef

Damit verschärft sich der Konflikt weiter, den Diess ausgelöst hat durch den Umbau von Europas größtem Industriekonzern. Und über den er, das ist das Problem, nicht groß diskutieren will mit dem Arbeitnehmerführer Bernd Osterloh. Wieso er so drängt, führte er den Mitarbeitern gleich zu Beginn aus: Gerade sei er in den USA bei Amazon zu Gast gewesen. Die Tatkraft dort ist wohl eine andere, als jene daheim. "Die neuen Wettbewerber dort und auch in China geben unglaublich viel Gas", berichtete Diess jedenfalls seinen Leuten. Als er zurück nach Deutschland gereist sei, habe er gemerkt: VW sei auf die neue Zeit nicht gut genug vorbereitet. Es folgte ein Stakkato aus Mahnungen: Es sei "keine ausgemachte Sache, dass wir den Wandel schaffen". Der Konzern müsse mehr Geld verdienen mit seinen Autos, um in die Zukunft investieren zu können. "Wir müssen schlanker, beweglicher, schneller werden, um beim Tempo der neuen Wettbewerber mitzuhalten." Google, Apple, Tesla und Byton zählt Diess auf.

Und er nennt die aktuellen Krisenfälle der Branche, wohl als Warnung: Bei Ford und Opel gehe es um die Existenz und um Jobs. Er spricht von BMW und Daimler, die "aus schierer Not" bei Roboterautos zusammenarbeiten würden. Und was er über Peugeot sagte, klingt, als sei das nun sein Vorbild: "Die französische PSA-Gruppe fährt weiter knallharte Kostenprogramme", gewinne durch "gute Produkte" Marktanteile und werde dabei immer profitabler.

Der Betriebsrat wisse doch auch um diese schwierigen Umstände, beschwor er die Mitarbeiter. Etwa 20 000 waren dem Vernehmen nach gekommen. Dort kam diese Ruckrede nicht ganz so gut an wie erhofft. Dabei versuchte Diess auf das schwierige Verhältnis zu den Arbeitnehmern einzugehen, die bei VW mehr zu sagen haben als anderswo. "Man darf nicht alles glauben, was in der Zeitung steht", sagte er in Bezug auf sein Verhältnis mit Betriebsratschef Osterloh, der den Konzern kenne "wie kein Zweiter". "Wir reiben uns", manchmal streite man sich. Doch die Ziele seien häufig dieselben. Er, Diess, fordere aber "meistens ein höheres Tempo." Die Beschleunigungskräfte spürt gerade die ganze deutsche Branche, nachdem Diess alle mit seinem Generalplan zur Elektromobilität überrumpelt hat. Den größten Widerstand erlebt der Manager aber im eigenen Laden. Man könne über mehr Altersteilzeitmodelle reden, um Geld zu sparen, sagt Osterloh, der natürlich die schwierigen Umstände der Branche kennt. Aber dem jüngst genannten Abbauziel von bis zu 7000 Jobs "fehle jede Grundlage", wetterte er. Sein Gremium werde nicht zulassen, "dass der rasante Wandel in der Automobilindustrie vom Management als Vorwand für Arbeitsverdichtung oder Fremdvergabe missbraucht werde". Im Gegenteil forderte er eine neue Beschäftigungssicherung: "Ende 2028 muss für alle VW-Standorte in Deutschland gelten."

Bevor man über Wirtschaftlichkeit spreche, sagte Osterloh den Berichten zufolge, müsse das Management "liefern". Wer im Management sei verantwortlich für die Probleme bei den Autozulassungen, die Milliarden Euro kosteten? Weswegen verzögerten sich neue Automodelle immer wieder, etwa der Golf? Weswegen würden gerade getroffene Zusagen bei den Fabrikbelegungen gebrochen?

Diess antwortet darauf nicht. Statt sich der Aussprache zu stellen, verlässt er die Halle. Aus Diess' Umfeld heißt es: Der Chef müsse Politiker empfangen und habe Vorstandssitzung.

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