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Videospiele:Überholmanöver in der letzten Runde

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Codemasters ist unter anderem für sein Formel-1-Spiel „F1“ bekannt. Szene von der Kölner Spielmesse Gamescom im August 2016.

(Foto: Rüdiger Wölk/Imago)

Videospiel-Firma Electronic Arts überbietet Take-Two-Interactive.

Von Simon Ax

Da hat sich das Management von Take-Two-Interactive wohl zu früh gefreut. Publisher Electronic Arts bietet mit 1,2 Milliarden Dollar gut 200 Millionen Dollar mehr als US-Konkurrent Take-Two-Interactive für das britische Studio Codemasters. Eigentlich hatte Take-Two-Interactive bereits im November angekündigt, den Rennspiel-Spezialisten aus Southam mit 700 Mitarbeitern zu übernehmen, allerdings für nur 994 Millionen Dollar.

In einer Pressemitteilung heißt es nun von Electronic Arts, man wolle gemeinsam mit dem britischen Studio eine Führungsrolle im Genre Rennspiel übernehmen. Codemasters hat sich auf dieses Segment spezialisiert und ist unter anderem für die Spielserie "Dirt" und das Formel-1-Spiel "F1" bekannt. Außer der Formel-1-Lizenz besitzt das Studio auch die Rechte für die Rally Championship, das erste "Rally-Spiel" ist für 2024 geplant.

Durch den 2019 abgeschlossenen Zukauf der Slightly Mad Studios konnte Codemasters sein Rennspiel-Portfolio bereits um einen weiteren Klassiker des Genres, "Project Cars", ebenfalls eine Rennsimulation, erweitern. Aber auch Electronic Arts war dem Genre nicht ganz fremd. Mit der Serie "Need for Speed" hat der Publisher seit Jahren ein populäres Rennspiel im Programm, das sich aber zuletzt nicht mehr so gut verkaufte. Die Übernahme von Codemasters soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

Für Take-Two-Interactive dürfte dies ein herber Rückschlag sein, da die Firma bisher kein nennenswertes Rennspiel im Angebot hat. Der amerikanische Publisher ist vor allem für das Open-World-Spiel "Grand Theft Auto" bekannt und konnte auch mit Spielen wie "Bioshock" oder "Red Dead Redemption" überzeugen. Ein Statement zur fehlgeschlagenen Übernahme seitens Take-Two-Interactive liegt bisher nicht vor. Die Aktie von Codemasters stieg nach der Bekanntgabe um gut 26 Prozent auf 7,16 Euro, der größte Kurssprung der Unternehmensgeschichte. Die Papiere von Electronic Arts konnten um 1,3 Prozent zulegen. Die Aktie von Take-Two-Interactive gewann 2,6 Prozent. Nach der Bekanntgabe, Codemasters übernehmen zu wollen, war die Aktie im November um mehr als zehn Prozent eingebrochen, erholte sich wieder und notiert derzeit sogar auf einem Allzeithoch.

Die Games-Branche ist ein Wachstumsmarkt. Dem Marktforschungsunternehmen Newzoo zufolge setzte die Branche 2019 weltweit etwa 160 Milliarden Dollar mit Spielen, Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör um. 2018 waren es 138 Milliarden Dollar. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 33 Milliarden Euro gehört Electronics Arts zu den größten Videospiel-Publishern. Deutsche Entwickler spielen bisher eine sehr geringe Rolle.

© SZ vom 15.12.2020
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