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Verzinsung:Weniger Geld vom Lebensversicherer

Die Gutschrift für die Kunden sinkt in diesem Jahr wieder ab, 2019 blieb sie stabil. Auch die Anbieter verlieren die Lust an klassischen Policen. Sie bieten jetzt gerne Verträge an, bei denen der Kunde mehr Risiken trägt.

Die Talfahrt bei der Verzinsung von Lebensversicherungen und privaten Rentenpolicen geht weiter. Nachdem die Anbieter die Überschussbeteiligung 2019 weitgehend stabil gelassen haben, wird sie 2020 über alle Policenarten und Tarifgenerationen von 2,83 Prozent auf 2,74 Prozent absinken. Das hat die Ratingagentur Assekurata aufgrund der Ankündigungen der Unternehmen berechnet, den Deklarationen. 2019 sei das Zinsumfeld noch freundlicher gewesen, erklärt Lars Heermann, Analyst bei Assekurata. "Das hat sich bei dieser Deklaration geändert."

Verzinst wird nur der Teil der Prämien, der nicht für Kosten draufgeht. Das sind meistens 80 bis 90 Prozent, der Rest geht in Provisionen und Verwaltung.

Wer einen älteren Vertrag mit einer Zinsgarantie von 3,5 Prozent oder sogar vier Prozent hat, erhält diesen Wert. Aber Kunden mit jüngeren Verträgen müssen mit deutlich niedrigeren Gutschriften zufrieden sein. Wer heute abschließt, erhält nur noch eine Garantie von höchstens 0,9 Prozent. Bald könnte dieser Wert sogar auf 0,5 Prozent sinken.

Solche klassischen Policen mit Zinsgarantie sind auch für die Konzerne kein gutes Geschäft mehr. Deshalb hat sich die Mehrheit von ihnen verabschiedet, nur noch 24 bieten sie an. Der Renner sind jetzt Angebote wie die sogenannte neue Klassik. Hier garantieren die Versicherer keine Verzinsung mehr, sondern höchstens den Erhalt der eingezahlten Gelder, oft aber auch nur 80 Prozent oder 90 Prozent. Das soll ihnen mehr Freiraum bei der Kapitalanlage geben, die dann höhere Renditen erzielen, argumentiert die Branche.

Von der laufenden Verzinsung unterscheiden sich Klassik und neue Klassik 2020 nicht sehr. Gerechnet auf den Beitrag, liegt der Ertrag der neuen Klassik etwas höher. Das geht allerdings nur auf, wenn Kunden auch durchhalten. Bei der neuen Klassik gibt es bei vorzeitiger Kündigung weniger Geld zurück. Heermann: "Wer sicherheitsbewusst ist und Wert auf hohe Rückkaufswerte legt, sollte sich für einen klassischen Vertrag entscheiden."

Gerne verkaufen Vertreter und Makler auch sogenannte Index-Policen. Der Ertrag richtet sich nach dem von Fonds oder Indizes. Das Verlustrisiko übernimmt der Versicherer, im Gegenzug erhält der Kunde nur einen Teil der Erträge, beispielsweise 70 Prozent. Bei anderen Verträgen ist die Rendite auf drei Prozent gedeckelt.

Assekurata hat die Leistung der Policen seit 2014 analysiert: In Einzelfällen erzielten Kunden damit Erträge von zehn Prozent und mehr pro Jahr, aber in der Hälfte der Jahre lag der Ertrag bei null.

© SZ vom 14.02.2020
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