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Versicherungen:Verheerende Stürme

Typhoon Hagibis Hits Japan

Der Wirbelsturm "Hagibis" hat im Oktober vergangenen Jahres einen Milliardenschaden in Japan verursacht.

(Foto: Carl Court/Getty Images)

Naturkatastrophen haben 2019 einen Schaden von 150 Milliarden Dollar verursacht. Am teuersten waren Stürme.

Von Jonas Tauber

Zwei Wirbelstürme in Japan führen die Liste der teuersten Naturkatastrophen 2019 an. "Faxai" und "Hagibis" hatten im September und Oktober das Land getroffen und einen Schaden von zusammen 26 Milliarden Dollar (23,3 Milliarden Euro) verursacht, davon waren 17 Milliarden Dollar versichert. Das schätzt der Rückversicherer Munich Re. Japan musste bereits im Vorjahr Rekordschäden durch Stürme hinnehmen, sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler bei dem Rückversicherer. "Es lässt sich noch nicht sagen, ob es eine Verbindung zum Klimawandel gibt." Der nach Schäden verheerendste Sturm "Hagibis" brachte extreme Niederschläge, die Deiche brechen ließen und zu Überschwemmungen führten.

Weltweit zählte Munich Re im vergangenen Jahr 820 Naturkatastrophen. Sie verursachten einen Schaden in Höhe von 150 Milliarden Dollar, 52 Milliarden Dollar waren versichert. 2018 lagen die beiden Werte noch jeweils rund 35 Milliarden Dollar höher. Damals hatten die Feuer im US-Bundesstaat Kalifornien die Liste der teuersten Katastrophen angeführt, 2019 fielen die Brände im Vergleich weit weniger schlimm aus - auch für die Versicherer. Einerseits ist es für die Branche erfreulich, wenn sie weniger Geld für Schäden in die Hand nehmen muss. Andererseits bedeuten geringere Schäden, dass den Versicherern die Argumente für Preiserhöhungen fehlen.

Im Hinblick auf die humanitären Folgen war der Sturm "Idai", der im März in Mosambik und den benachbarten Ländern tobte, am folgenschwersten. Mehr als 1000 Menschen verloren ihr Leben, hunderttausende ihren Besitz. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern pro Stunde zerstörte der Zyklon Gebäude und löste Überschwemmungen aus. Den Gesamtschaden beziffert Munich Re auf 2,3 Milliarden Dollar, wovon fast nichts versichert war. In ärmeren Ländern fehlt oft das Geld für Versicherungsschutz. Alle Naturkatastrophen zusammen forderten 9000 Todesopfer, deutlich weniger als die 15 000 im Jahr zuvor.

Auch wenn die Schäden zum zweiten Mal in Folge niedriger ausfielen als im Vorjahr, entspricht das nicht dem langfristigen Trend. Tatsächlich steigen die Schäden im langjährigen Vergleich, sagt Klimaexperte Rauch. Ein Grund dafür sei die zunehmende Konzentration an Werten wie Gebäuden, ein anderer, dass bestimmte Wetterphänomene wie schwere Gewitter in Europa an Bedeutung gewinnen.

Im vergangenen Jahr waren Unwetter mit Hagelschlägen zusammen mit Hitzewellen für einen Großteil der Schäden in Europa verantwortlich. Die Sommerunwetter kosteten 2,2 Milliarden Euro, 800 Millionen Euro davon versichert. Rauch spricht sich für mehr Prävention aus. "Die Anpassung an schwere Gewitter muss deutlich mehr in den Vordergrund rücken."

© SZ vom 09.01.2020

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