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Versicherungen:Die Allianz will trotzdem zahlen

Allianz Quartalszahlen

Aktienrückkauf und Ausschüttungen an Aktionäre soll es in diesem Jahr beim Allianz-Konzern geben – trotz der Krise.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Die Aufsicht der EU fordert von den Konzernen, auf Dividenden zu verzichten.

Von Nina Nöthling, Köln

Versicherungskonzerne sollen in Zeiten von Corona darauf verzichten, Aktionären eine Dividende zu zahlen oder Aktienrückkaufprogramme zu starten, fordert die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa in Frankfurt. Es sei enorm wichtig, dass Versicherer ihre Kapitalstärke wahren, damit sie auch künftig Versicherungsschäden zahlen können.

Nicht nur die Aktionäre sollen nach dem Willen von Eiopa zurückstecken. Die Versicherer sollten auch variable Bestandteile der Vorstands- und Aufsichtsratsvergütungen überprüfen, also Boni und Aktienoptionen. Die Axa in Paris reagierte mit der Verlegung ihrer Hauptversammlung vom 30. April 2020 auf den 30. Juni 2020. In der Zwischenzeit will sie mit Eiopa und der französischen Aufsicht sprechen.

Die deutschen Gesellschaften reagierten dagegen betont gelassen. "Die Allianz ist gut aufgestellt, deshalb gibt es keinen Grund für uns, unsere Pläne zu ändern", sagte ein Sprecher des Münchner Konzerns. Ohnehin sei die deutsche Finanzaufsicht Bafin zuständig, die Eiopa koordiniert die Arbeit der einzelnen nationalen Behörden. Die Allianz will deshalb an Aktienrückkauf und Dividende festhalten.

Der Talanx-Konzern in Hannover will gleichfalls die Dividende erhöhen: Von 1,45 Euro für das Jahr 2018 auf 1,50 Euro für 2019. "Wir sind zuversichtlich, auch die Bafin von unserer Position zu überzeugen", sagte ein Sprecher. Der Versicherungs- und Bausparkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) sieht das ähnlich. Er will zunächst nichts ändern und erneut 65 Cent pro Aktie ausschütten. Da die Situation jedoch hoch dynamisch sei, beobachte der Konzern die Entwicklungen genau, sagte ein Sprecher.

Der größte deutsche Rückversicherer Munich Re hatte bereits zuvor bekanntgegeben, sein geplantes Aktienrückkaufprogramm auszusetzen. Die Schäden aus Veranstaltungsausfallpolicen waren im ersten Quartal bereits so hoch, dass der Rückversicherer sein Gewinnziel 2020 nicht mehr erreichen wird. Die Dividende wollte der Rückversicherer aber trotzdem um 55 Cent anheben. Ob er das trotz Eiopa-Schreiben tut, ist noch nicht entschieden.

Die Bafin, die direkt für die Regulierung der hiesigen Versicherer zuständig ist, unterstützt sie. Die Behörde lehnt ein pauschales Ausschüttungsverbot ab. "Bei der Dividendenpolitik ist natürlich die individuelle Situation der Versicherer zu berücksichtigen, insbesondere deren Risikotragfähigkeit", teilt Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund mit. "Wir stehen in engem Dialog mit den Unternehmen und erwarten eine überzeugende Begründung, falls sie Dividenden ausschütten wollen."

Die Anleger waren nicht ganz so gelassen wie Allianz und Co. Die Aktien der großen Versicherer lagen am Freitag leicht im Minus, während der Dax stabil blieb.

© SZ vom 04.04.2020

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