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Verkauf der Angstwährung:Goldpreis-Sturz kostet die Schweiz Milliarden

Die wirtschaftlichen Aussichten sind gut, also streichen Anleger Gold wieder aus ihrem Portfolio: Seit Jahresbeginn hat der Goldbestand der Schweizerischen Nationalbank schon ein Viertel an Wert eingebüßt. Das kostet die Bank fast sechs Milliarden Euro.

Der Absturz des Goldpreises hat der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken eingebrockt. Das sind etwa 5,9 Milliarden Euro. Zu den massiven Verlusten trugen vor allem Abschreibungen auf das Edelmetall bei. Die SNB beziffert auf den Gesamtbestand von 1040 Tonnen einen Bewertungsverlust von 13,2 Milliarden Franken.

Der Goldbestand der Notenbank verlor seit Jahresanfang ein Viertel an Wert, denn Zentralbanken passen ihre Preise immer wieder an den aktuellen Marktwert an. Zwischen April und Juni hatten immer mehr Anleger das Edelmetall aus ihren Portfolios gestrichen und Gold damit das größte Quartalsminus seit 1920 beschert.

Die Investoren verkauften, weil eine Erholung von der Wirtschaftskrise in Aussicht steht. Gold gilt als Angstwährung, in die sich Anleger in unsicheren Zeiten flüchten. Steht dann eine Besserung bevor, verkaufen sie wieder - und der Goldpreis rutscht ab. Ende Juni war der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) auf etwa 1180 US-Dollar abgesackt.

Die US-Notenbank hatte Mitte Juni angekündigt, bei einer weiterhin guten Konjunkturentwicklung noch im laufenden Jahr aus dem milliardenschweren Anleihekaufprogramm aussteigen zu wollen. Das bestärkte die Anleger in ihren Verkaufsambitionen. Außerdem brach in Indien und China die Nachfrage nach Gold stark ein, analysierte im vergangenen Monat das Wall Street Journal.

Der Schweizerischen Nationalbank gelang es aber, den Schaden mit Devisengeschäften zu begrenzen: Die Fremdwährungspositionen warfen in den ersten sechs Monaten des Jahres immerhin 5,8 Milliarden Franken ab. Dazu trugen die Aufwertung der beiden wichtigsten Währungen Euro und Dollar genauso bei wie Beteiligungsgewinne, Zins- und Dividendenerträge.

Den zweitgrößten Goldschatz aller Notenbanken weltweit besitzt die Deutsche Bundesbank. Ende vergangenen Jahres waren es 3391 Tonnen. Ihre Goldbestände und Goldforderungen bewertete die Bundesbank Ende Juni mit 100,3 Milliarden Euro - zum Ende des ersten Quartals waren es noch 136,5 Milliarden Euro.

Bewertungsunterschiede wirken sich bei der Bundesbank aber nicht auf den Überschuss aus, Abschreibungen gibt es nicht. Bilanzpositionen, die Marktpreisschwankungen unterliegen, werden auf der Passivseite der Bilanz in einem "Ausgleichsposten aus Neubewertung" ausgewiesen.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/ratz/sebi

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