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Tourismus:Neuschwanstein statt New York

Chinesische Touristen vermisst

Schloss Neuschwanstein zieht viele Touristen aus dem Ausland an.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Für deutsche Hoteliers war 2019 ein Rekordjahr - schon das zehnte in Folge.

Mehr Kurzurlaube unweit von Zuhause, weniger Pauschalreisen ins Ausland: Dass seine Gäste immer lieber in der Heimat bleiben, freut Heiko Kehrstephan. Der Hotelier zählt immer mehr Besucher in seinem Landhaus bei Bremen. Nicht nur Kehrstephan bemerkt die steigende Nachfrage: Die deutsche Hotelbranche floriert. Im vergangenen Jahr nächtigten Gäste 495,6 Millionen Mal in inländischen Unterkünften, wie eine aktuelle Übersicht des Statistischen Bundesamtes zeigt. Das ist ein Zuwachs von knapp 30 Prozent innerhalb der vergangenen zehn Jahre und knapp vier Prozent gegenüber 2018. Und es ist neuer Rekordwert.

Das liegt zum einen an den Urlaubspräferenzen der Deutschen: "Der Trend geht zum Heimaturlaub", sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). 405,7 Millionen der Übernachtungen in Deutschland, etwa 82 Prozent, wurden von einheimischen Gästen gebucht. Diese Entwicklung bemerken auch die Hoteliers: "Der Anspruch der Erholungssuchenden hat sich geändert", erklärt Gudrun Schläger, Rezeptionsleitung eines Hotels in Sankt Andreasberg im Harz. Die Urlaubshäufigkeit steige, während die Aufenthaltsdauer sinke. Schlägers Gäste berichten, dass ihr Urlaub schwerer planbar geworden sei. Das Ergebnis: Oft würden deutsche Urlauber eine große Reise außerhalb Deutschlands machen und ihre übrigen Ausflüge kurzfristig im Inland buchen.

Mehr ausländische Besucher kommen nach Deutschland - nicht nur für Urlaubsreisen

Mehr Spontanität bei der Urlaubsplanung beobachtet auch Kehrstephan. Und sieht eine steigende Ausgabefreude als Grund für steigende Besucherzahlen in seinem Landhaus. Dabei kommt sein Gästezuwachs nicht nur aus dem Inland: Außerhalb Deutschlands könne er durch Social Media besser auf sich aufmerksam machen, erzählt der 45-jährige Hotelchef.

Auch ausländische Reisende übernachten immer häufiger in deutschen Hotels: Die 89,9 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste im vergangenen Jahr bedeuten einen Anstieg um rund drei Prozent seit 2018. Grund für den Zuwachs sind immense Investitionen der Unterkünfte in Ausbau, Service und Infrastruktur, erklärt Heckel von der Dehoga. Aber auch daran, dass Deutschland zu den weltweit führenden Tagungs- und Kongressstandorten zähle - und deshalb viele Geschäftsreisende anlocke.

Die schlafen zum Beispiel bei Harald Helmers. Sein Familienhotel im niedersächsischen Osnabrück verzeichnet kaum einen Rückgang an Gästen. "Und das, obwohl in der Stadt kürzlich Hunderte Hotelbetten dazugekommen sind", bemerkt Helmers. Dass Osnabrück weiter aufstocke, liege auch an der Positionierung als Kongressstadt. "Veranstalter von Tagungen fordern immer eine Mindestzahl an Betten in einer Stadt", erklärt der 57-Jährige. Mehr Hotelbetten bedeuten deshalb eine höhere Attraktivität als Veranstaltungsort. Einen Trend zur Urlaubsreise in mittelgroße deutsche Städte sieht Helmers allerdings nicht.

© SZ vom 11.02.2020
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