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Tarifkonflikt:Streikgefahr bei der Lufthansa

Lufthansa-Pilotenstreik in Frankfurt

Die Lufthansa befindet sich bereits seit Monaten im Clinch mit der Gewerkschaft UFO.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Fluggesellschaft erwägt rechtliche Schritte gegen Ausstand von Flugbegleitern.

Die Lufthansa will nach eigenen Angaben rechtliche Schritte gegen einen von der Flugbegleitergewerkschaft UFO geplanten Streik prüfen. Nach Ansicht des Unternehmens wäre ein Ausstand rechtswidrig, weil unsicher sei, ob es sich bei der Organisation überhaupt um eine Gewerkschaft handele und der aktuelle Vorstand satzungsgemäß ins Amt gekommen sei.

Die UFO hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen, am kommenden Sonntag zwischen sechs und elf Uhr die Arbeit niederzulegen. Sie fordert nach eigenen Angaben 1,8 Prozent höhere Gehälter und wirft der Lufthansa vor, ihren Mitarbeitern "tarifliche Selbstverständlichkeiten" zu verwehren. Lufthansa will nach eigenen Angaben das Flugprogramm vollständig aufrechterhalten und plant daher nicht, einen Sonderflugplan zu veröffentlichen, der normalerweise bei Streiks in Kraft tritt. Dies ist nach UFO-Einschätzung "den Kunden gegenüber völlig unverantwortlich".

Lufthansa hat den ehemaligen UFO-Chef Nicoley Baublies fristlos entlassen

Die beiden Seiten befinden sich schon seit Monaten im Clinch. Die Auseinandersetzung findet aber auch vor dem Hintergrund dramatischer interner Querelen bei der Gewerkschaft statt, bei der mehrere ehemalige Vorstände zurücktreten mussten. Einige müssen sich sogar dem Vorwurf der Untreue stellen. Lufthansa hatte zudem den ehemaligen UFO-Chef Nicoley Baublies zuletzt fristlos entlassen und ihm nach seinen eigenen Angaben ein Hausverbot erteilt. Baublies hat gegen die Entlassung geklagt, auch die Personalvertretung hat sich demnach gegen die Kündigung ausgesprochen.

Die Gewerkschaft wird derzeit von der Baublies-Vertrauten Sylvia de la Cruz sowie von Daniel Flohr geleitet. Am 1. November findet die nächste Mitgliederversammlung der UFO statt. Bei dieser muss sich der aktuelle Rumpfvorstand auch Abwahlanträgen stellen.

Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte zuletzt in erster Instanz trotz der gewerkschaftsinternen Turbulenzen festgestellt, dass die UFO die Tarifverträge bei Lufthansa rechtmäßig gekündigt hat, eine grundlegende Voraussetzung für Streiks. Weitere Urteile will die UFO nicht abwarten, weil die Lufthansa immer wieder neue Forderungen stelle und damit eine Verzögerungstaktik verfolge. Die UFO kritisierte, der Konzern führe einen Machtkampf gegen die Spartengewerkschaften. Dies hätten auch die Kollegen der Vereinigung Cockpit (VC), die die Piloten vertreten, schon feststellen müssen. UFO vermutet, dass Lufthansa die Gewerkschaft der Flugbegleiter ganz verdrängen und durch Verdi ersetzen will. Mit dieser habe sie sich schon weitgehend geeinigt. "Hier werden Tarifgeschenke verteilt, um die unbequeme UFO loszuwerden", kritisierte Flohr.

Der stellvertretende UFO-Chef machte zudem deutlich, dass auch bei anderen Lufthansa-Gesellschaften und nicht nur bei der Kernmarke Streiks jederzeit möglich seien. Man habe auch für Sun Express, Germanwings, Eurowings und Lufthansa Cityline Tarifforderungen gestellt. In der kommenden Woche sollen die Tarifkommissionen über Urabstimmungen für unbefristete Streiks entscheiden. Die Lufthansa könne diese verhindern, so Flohr, wenn sie sich rechtzeitig zu Verhandlungen bereit erkläre.