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Synlab:Mit Corona-Tests an die Börse

Tallinn 13.07.2020 Eesti teadlased töötasid välja uudse testi preeklampsia ennustamiseks. TÜ doktorant Kaspar Ratnik. Ve

Synlab-Labor in Estland: Das Unternehmen, das seinen Stammsitz in München hat, betreibt 450 Labors in 23 europäischen Ländern.

(Foto: Remo Tonismäe/imago/Scanpix)

Die Laborkette profitiert vom Kampf gegen Covid-19. Nun gibt sie Aktien auf den Markt.

Von Harald Freiberger

In Deutschland steht der dritte milliardenschwere Börsengang dieses Jahres bevor: Der Laborbetreiber Synlab kündigte am Montag an, Ende April Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen hat seinen Stammsitz in München und ist mit 450 Labors in 36 Ländern der größte Betreiber medizinischer Labors in ganz Europa; es beschäftigt 20 000 Mitarbeiter.

Synlab profitierte im vergangenen Jahr von der enorm gestiegenen Nachfrage nach Tests durch die Corona-Krise. Der Umsatz legte von 1,9 auf 2,6 Milliarden Euro zu, allein 0,6 Milliarden Euro davon entfielen auf sogenannte PCR-Tests gegen Covid-19. Für dieses Jahr kündigte Synlab-Chef Mathieu Floreani einen weiteren Umsatzsprung auf drei Milliarden Euro an. Auch wenn mehr und mehr Menschen gegen das Corona-Virus geimpft seien, werde die Nachfrage nach Tests für lange Zeit noch sehr hoch bleiben: zur Sicherheit, wenn das normale Leben wieder in Gang kommt, zum Überprüfen, ob der Impfschutz auch nach Monaten noch besteht und weil es mehr Mutationen gibt. Eine konsequente Überwachung werde noch auf Jahre hinaus wichtig sein, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern - und dafür seien Labors nötig.

Auch unabhängig vom Corona-Virus sind Pharma-Unternehmen gerade stark gefragt. Analysten sprechen schon von einer "goldenen Dekade" für die Branche. Die neue Impfstoffklasse mRNA, auf der auch der Corona-Impfstoff von Biontech basiert, könnte zu völlig neuen Einsatzmöglichkeiten auch bei anderen Krankheiten führen - mit den entsprechend positiven Folgen für Labors. "Die Weltbevölkerung wächst und altert. Beides ist günstig für uns," sagt Synlab-Chef Floreani.

Mit dem Börsengang nutzt das Unternehmen die fast ungetrübt gute Stimmung an den Kapitalmärkten. Sowohl in den USA als auch in Europa notieren die Aktienindizes auf Rekordhöhe. Bis zu 71,5 Millionen Aktien sollen zu einem Preis zwischen 18 und 23 Euro angeboten werden. Der größte Teil davon geht an die bisherigen Aktionäre um den Finanzinvestor Cinven, der Synlab vor sechs Jahren kaufte. 400 Millionen Euro sollen an das Unternehmen selbst fließen, das damit Schulden tilgen will. Die Synlab-Aktie soll am 30. April erstmals notiert werden.

Die größten Börsengänge in diesem Jahr waren jene der Vodafone-Funkturm-Tochter Vantage Towers und des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1, dessen Aktienkurs seitdem um 22 Prozent gestiegen ist. Weitere dürften folgen, so will Daimler seine Lkw-Sparte abspalten, genauso wie Continental seinen Bereich Vitesco Technologies. Zudem gibt es Gerüchte, dass VW einen Teil seiner Porsche-Aktien auf den Markt bringen könnte.

© SZ vom 20.04.2021
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