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Euro-Krise:Standard & Poor's entzieht Frankreich die Top-Bonität

Unruhe in der Eurozone: Frankreich verliert seine Bestnote für die Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft allerdings nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone herab, sondern auch acht weitere Euroländer, darunter Spanien, Italien und Portugal. Der Euro verliert deutlich an Wert und der Dax bricht ein.

Die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's hat Frankreich die Top-Bonität entzogen. Wie S&P am späten Freitagabend bekannt gab, werden daneben acht weitere Euro-Länder herabgestuft, unter ihnen Österreich. Frankreich ist als zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion eines der wichtigsten Länder bei der Rettung des Euro. Deutschland behält die Bestnote AAA.

Frankreichs Finanzminister François Baroin hatte die Herabstufung seines Landes von AAA auf AA+ schon zuvor im Fernsehen bestätigt. Das sei keine gute Neuigkeit, aber auch keine Katastrophe, betonte er nach einem Krisentreffen mit Präsident Nicolas Sarkozy und anderen Spitzenvertretern der Regierung. S&P stelle mit der Entscheidung nicht die Reformen infrage, sondern ziehe Schlussfolgerungen aus der Instabilität in der Eurozone, so der Minister. Frankreich behalte eine "exzellente Benotung".

Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern wurde um jeweils zwei Stufen gesenkt. Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Finnland, die Niederlande und Luxemburg behalten wie Deutschland das AAA-Rating. Bei ihnen ist der Ausblick allerdings "negativ", während er im Falle Deutschlands auf "stabil" heraufgesetzt wurde. Als Grund für die Herabstufungen nannte S&P, dass die bisherigen politischen Maßnahmen unzureichend seien, um die Spannungen in der Eurozone zu beseitigen.

Die Herabstufung der Euro-Länder könnte die Bewältigung der Schuldenkrise weiter erschweren. Der Euro reagierte auf die Nachricht mit Kursverlusten, die allerdings relativ gering ausfielen. Die Aktienmärkte gerieten weltweit unter Druck, später beruhigte sich die Lage.

Laut Presseberichten sah Sarkozy einen Verlust der Bestnote bereits im Vorfeld als schweren Schlag vor der Präsidentenwahl im April. Wenn es passiere, "bin ich tot", wurde der Präsident zitiert. Vor wenigen Wochen hatte er hingegen gesagt, eine Herabstufung sei verkraftbar. Die Rating-Agentur Fitch, die mehrheitlich in französischer Hand ist, hatte noch am Dienstag angekündigt, Frankreich werde 2012 sein AAA-Rating behalten, solange es in der Euro-Krise keine dramatische Entwicklung gebe.

S&P hatte Anfang Dezember den Ausblick von 15 Euro-Ländern wegen der andauernden Schuldenkrise auf negativ gesetzt. Das bedeutete, dass es eine Herabstufung dieser Länder binnen dreier Monate vorbereite. Damals hieß es, Frankreichs Note könnte nicht nur um eine, sondern um zwei Stufen gesenkt werden.

S&P hatte kurz darauf mit einer Herabstufung des Euro-Rettungsfonds EFSF gedroht, dessen Hauptkreditgeber Deutschland und Frankreich sind. Damit der Fonds wie geplant effektiv 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euro-Länder Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Diese Summe könnte sich nun deutlich erhöhen. Ein schlechteres Rating kann, muss aber nicht, für die betroffenen Länder höhere Finanzierungskosten in Form steigender Zinsen nach sich ziehen.

Jean-Michel Six, der für Europa zuständige Chef-Ökonom von S&P, hatte der französischen Zeitung Le Parisien vor wenigen Tagen gesagt, die Anleger behandelten Frankreich trotz seines Top-Rankings wie ein Land, das mit der Note BBB bewertet werde. Bei der Benotung gehe es darum, ob ein Land sein Schuldenabbau-Ziel einhalten könne. Eine Korrelation zwischen der Note und der Höhe der Zinsen für Staatsanleihen bestehe nur bedingt, ergänzte er unter Verweis auf die USA und Großbritannien.