Staatliche Institute Schiffskrise setzt Banken zu

Vor allem die HSH Nordbank in Hamburg und die Nord-LB in Hannover sind betroffen. Die Bremer Landesbank muss nun ihr Kapital stärken.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Wenn es abwärts geht, ist irgendwann auch wieder Besserung in Sicht. Für die Container-Schifffahrt aber scheint dieses eherne Gesetz der Konjunktur nicht zu gelten. So mancher in der Branche hat daher die Hoffnung aufgegeben, dass sich die Geschäfte wieder von der großen Krise erholen, die bereits seit 2008 andauert. Zu spüren bekommen das nun - einmal mehr - jene Banken, die diese Containerschiffe oder Stückgutfrachter finanzieren. Das sind vor allem die staatlichen Institute, also die HSH Nordbank in Hamburg oder die Nord-LB in Hannover, die 2016 erstmals seit 2009 wieder Verluste erwartetet.

Deren Tochter, die Bremer Landesbank, muss ihre Eigentümer nun sogar um frisches Kapital anbetteln. Insider bestätigten Medienberichte, wonach das Kreditinstitut wegen der Schiffskrise mit den Bankenaufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) darüber spricht, wie es das Kapital stärken kann. Einen Bericht des Nachrichtenmagazins Focus, das Geldhaus müsse auf Druck der EZB 700 Millionen Euro Kapital aufnehmen, wies eine Sprecherin der Bremer Landesbank indes zurück. Die Angaben und die Höhe des Kapitalbedarfs seien "sachlich falsch und aus der Luft gegriffen", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Insider sagte der SZ, der Betrag stünde noch nicht fest, werde aber "deutlich niedriger ausfallen". Die EZB wollte sich dazu nicht äußern.

Das klamme Bundesland Bremen muss dem Institut wohl erneut zu Hilfe kommen

Die Nord-LB hält 55 Prozent an der Bremer Landesbank, die Zahlen der Tochter sind in der Bilanz der Hannoveraner komplett enthalten. "Der Nord-LB-Konzern ist ausreichend kapitalisiert und erfüllt alle aufsichtlichen Kapitalquoten", sagte ein Nord-LB-Sprecher. Die übrigen Eigner der Bremer Landesbank sind das Land Bremen mit 41 Prozent und der Sparkassenverband Niedersachsen mit vier Prozent.

Damit hat der Fall auch eine politische Dimension, denn der rot-grüne Senat in Bremen wollte die Landesbank unbedingt eigenständig halten. Auf Druck der Bankenaufseher musste das klamme Bundesland bereits 2012 die Kapitalausstattung der Bank verbessern, indem es eine stille Einlage in hartes Kernkapital wandelte und damit stärker ins Risiko ging. Wie der Focus schreibt, hat die Bremer Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) nun die Fraktionsvorsitzenden der Bremischen Bürgerschaft über den Kapitalbedarf bei der Landesbank informiert. Einen Teil des Geldes könne die Bank selbst aufbringen, den Rest müssten die Gesellschafter nachschießen. Von Linnert war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Bremer Landesbank erwartet 2016 hohe Wertberichtigungen. Dieses Jahr werde vermutlich ein "Verlust in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags" anfallen, hatte die Bank in der vergangenen Woche mitgeteilt. Die Schiffsbranche kämpft seit langem mit Überkapazitäten. Zuletzt hat sich die Lage wegen des schwächeren Wachstums in China und des schwachen Welthandels noch einmal verschärft.

Mittelfristig dürfte die Bremer Landesbank nicht nur weniger Schiffskredite vergeben, sie wird wohl auch ihre Eigenständigkeit verlieren. Die Bremer Landesbank leidet noch stärker unter Schiffskrediten als der Mutterkonzern Nord-LB, der die Verluste mit Gewinnen aus anderen Geschäftsbereichen immer noch besser ausgleichen kann. Mit einer Bilanzsumme von 29 Milliarden Euro gehört das Bremer Institut außerdem zu den eher kleinen Landesbanken. Insider gehen daher schon länger davon aus, dass die Bremer Bank irgendwann ganz im Nord-LB-Konzern aufgehen könnte.