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Springer:Mehr Geld für Döpfner trotz Pin-Pleite

Trotz des Debakels mit dem Postdienstleister Pin steigen die Vorstandsgehälter bei Springer deutlich. Der Konzern plant vorerst keine weiteren Zukäufe.

Mathias Döpfner versuchte wie immer, Optimismus zu verbreiten. "Trotz Pin war 2007 das operativ erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Axel Springer AG", meinte der Vorstandschef am Mittwoch in Berlin bei der Bilanzpräsentation.

Und trotzdem musste der 45-Jährige im vergangenen Jahr seine bisher wohl größte Niederlage hinnehmen. Der Einstieg beim Postdienstleister Pin Group wurde zum Debakel und kostete 572 Millionen Euro. Unter dem Strich weist das Verlagshaus deswegen einen Verlust von 288 Millionen Euro aus.

Döpfner rechtfertigte nochmal den plötzlichen Ausstieg bei Pin im vergangenen Dezember, nachdem die Bundesregierung einen hohen Mindestlohn für die Branche eingeführt hatte.

Wiedereinstieg in Zustellerbranche ausgeschlossen

"Eine Fortsetzung des Geschäftes aus Prestigegründen oder vager Hoffnung wäre verantwortungslos gewesen", sagte er. Er schloss auch einen Wiedereinstieg in die Branche definitiv aus - auch nach dem jüngsten Gerichtsurteil gegen den Mindestlohn.

Ursprünglich wollte der Verlag aus den Postdienstleistungen eine weitere Konzernsäule machen. Ob Springer im Fall Pin eine Klage auf Schadensersatz - gegen wen auch immer - einreiche, sei noch nicht entschieden. Es würden noch Möglichkeiten nach dem Verfassungs-, Verwaltungs- oder dem EU-Recht geprüft, sagte Döpfner.

Trotz der Fehlentscheidung mit dem Einstieg bei Pin wurden die Vorstandsgehälter für 2007 deutlich angehoben. Die fixen und variablen Bezüge der vier Vorstandsmitglieder stiegen laut Geschäftsbericht um 38 Prozent auf 15 Millionen Euro. Einen Einzelausweis der Bezüge gibt es nicht.

Fixgehälter seit fünf Jahren nicht mehr angehoben

Döpfner rechtfertigte das damit, dass die Fixgehälter seit fünf Jahren nicht mehr angehoben wurden und nun Vorstandsverträge neu verhandelt worden seien. Die variable Vergütung richte sich nach dem operativen Gewinn, der sich deutlich verbessert habe.

Der Konzern hat die Lust an weiteren Zukäufen erst einmal verloren. 2008 solle ein Jahr der Konsolidierung werden, sagte Döpfner. Aus dem Fall Pin hat er zwei Lehren gezogen: "Noch mehr Konzentration auf das Kerngeschäft und politikferne Felder. Und das Wachstum der Zukunft liegt in der Digitalisierung und im Ausland."

Noch immer ist Axel Springer aber stark im Inlandsgeschäft. Die Zeitungen (Bild, Welt) erwirtschaften inzwischen eine Rendite von 22 Prozent, die Zeitschriften (unter anderem Hörzu) von knapp unter zehn Prozent.

2008 sollen Konzernumsatz und -gewinn steigen, hieß es. Zudem wird im ersten Quartal der Gewinn aus dem Verkauf der Zwölf-Prozent-Beteiligung an dem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 in Höhe von 500 Millionen Euro verbucht.

Rekorddividende

Trotz des Verlustes will der Konzern für 2007 eine Rekorddividende von vier Euro je Aktie ausschütten, die vor allem Mehrheitsaktionärin Friede Springer zugute kommt.

Es habe keinen Grund gegeben, davon aus Liquiditätsgründen abzugehen, sagte Finanzvorstand Steffen Naumann. Beunruhigt zeigte sich Döpfner über den schwachen Aktienkurs, der jetzt bei 80 Euro liegt.