Sportunfälle Im Ernstfall abgesichert

Beim Fußball kommt es am häufigsten zu Verletzungen, Unfälle beim Skifahren kommen gleich danach, gibt der Versicherer Ergo an.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Welche Versicherungen Hobby-Sportler brauchen und was sie beachten sollten - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Friederike Krieger, Köln

Ein Bänderriss nach dem sonntäglichen Fußballspiel, ein Zusammenstoß mit einem anderen Skifahrer auf der Piste im Winterurlaub - beim Sport kann einiges passieren. "Wer sportlich aktiv ist, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Verletzungen", sagt Rainer Tögel, Vorstand beim Versicherer Ergo. Aber wie sollten sich Hobby-Sportler gegen Unfälle absichern?

Bei welchen Sportarten passieren die meisten Verletzungen?

Vor allem Fußball ist gefährlich, dabei passieren dem Versicherer Ergo zufolge, nach eigenen Angaben Marktführer bei Unfallpolicen, am häufigsten Verletzungen. 38 Prozent der Unfälle beim Sport, die Kunden dem Versicherer in den vergangenen Jahren gemeldet haben, gingen auf Verletzungen beim Kicken zurück. An zweiter Stelle folgt der Skisport mit 17 Prozent. "Hier gibt es viele Brüche, aber auch Bänderzerrungen bis hin zu Hirntraumata", sagt Tögel von Ergo. Auf Platz drei rangieren Fahrradunfälle mit sieben Prozent.

Welche Versicherungen benötigen Sportler?

Wer sportlich aktiv ist, "sollte eine Unfall- und eine Haftpflichtversicherung haben", sagt Jörg Scherf, Geschäftsführer des auf Sportler spezialisierten Versicherungsmaklers SVL Sports. Unfallversicherer zahlen, wenn ein Kunde aufgrund eines Unfalls dauerhafte gesundheitliche Schäden davonträgt und zum Beispiel seinen Arm oder sein Bein nicht mehr richtig bewegen kann.

Die Haftpflichtversicherung springt ein, wenn er anderen versehentlich einen Schaden zufügt, ein Radsportler etwa einen Fußgänger anfährt. Wer im Ausland Sport macht und zum Beispiel den New-York-Marathon mitlaufen will oder wer in Österreich Snowboarden geht, sollte sich auch eine Auslandsreisekrankenversicherung zulegen. Wichtige Leistungen seien hier die Bergung und der Rücktransport von Unfallopfern in ihr Heimatland, heißt es von der SVL.

Ist ein Abschluss einer Police noch kurz vor einem Wettkampf möglich?

Einige Anbieter wie das Start-up Situative bieten spontan abschließbare Kurzzeitpolicen an. "So kann man kurz vor einem Rennen noch eine Unfallversicherung abschließen, wenn man das vergessen hat", sagt Makler Volkert. Wer das mehrmals im Jahr macht, sollte sich aber eine vollwertige Unfallversicherung zulegen - zumal die Leistungen der Kurzzeitpolicen oft nicht so umfangreich sind wie bei normalen Verträgen. "Die Absicherung reicht oft nicht aus", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). So liegen die Invaliditätssummen oft nur bei 10 000 oder 20 000 Euro. Der BdV empfiehlt stattdessen für einen 30-Jährigen das sechsfache Bruttojahreseinkommen.

Was ist mit Berufsunfähigkeitsversicherungen?

Verbraucherschützerin Boss empfiehlt Sportlern, sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung zuzulegen. Anders als bei Unfallpolicen zahlt der Versicherer hier nicht nur, wenn der Kunde wegen eines Unfalls seinen Job nicht mehr ausüben kann, sondern auch beim krankheitsbedingten Karriere-Aus. "Wer über eine Berufsunfähigkeitsversicherung hinaus noch finanziellen Spielraum hat, kann über eine Unfallversicherung nachdenken", sagt sie. Denn Berufsunfähigkeitsversicherer zahlen erst dann, wenn der Kunde zu 50 Prozent berufsunfähig ist, Unfallversicherer dagegen meist schon ab einem Invaliditätsgrad von einem Prozent.

Kinder können noch keine Berufsunfähigkeitspolice abschließen. Für sie bleibt nur die Unfallversicherung.

Leistet die gesetzliche Unfallversicherung nicht bei Sportunfällen?

In der Regel zahlt sie nicht, sagt Ergo-Vorstand Tögel. Die gesetzliche Absicherung gilt nur für Arbeitsunfälle. Verletzungen bei einer vom Unternehmen ausgerichteten Sportveranstaltung zählen unter Umständen als Arbeitsunfall. Dafür muss die Sportveranstaltung einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts zufolge aber spezielle Kriterien erfüllen. So müssen die Teilnahme möglichst vieler Beschäftigter und die Stärkung des Betriebsklimas im Vordergrund stehen.

Bin ich nicht schon über meinen Sportverein abgesichert?

Viele der 16 Landessportbünde in Deutschland, denen die meisten Sportvereine angehören, haben Rahmenverträge mit Versicherern abgeschlossen. "Die Absicherung über den Verein bietet aber nur einen Grundschutz", sagt Tögel von Ergo. Dem pflichtet auch Verbraucherschützerin Boss bei. "Die Leistungen der Vereinspolicen sind oft gering", sagt sie. "Sportler sind selbst gefordert, sich abzusichern."

Bei welchen Sportarten kann es Probleme mit dem Versicherer geben?

Wer Risikosportarten ausübt, sollte einen genauen Blick in seine Versicherungsverträge werfen. "Versicherer versuchen, besonders risikoreiche Sportarten auszuschließen", sagt Volkert von SVL Sports.

Die Ergo etwa zahlt in der Unfallversicherung nicht für Schäden von Rennfahrern, Berufstauchern, Piloten und sogenannten Luftsportgeräteführern wie Fallschirmspringern oder Gleitschirmfliegern. Gegen einen Aufpreis auf die Prämie schließen viele Versicherer allerdings Risikosportarten wieder ein.

Andernfalls müssen sich Sportler um Spezialdeckungen bemühen. So gibt es spezielle Versicherungen für Luftfahrtunfälle.

Ausgeübte Sportarten spielen auch beim Abschluss anderer Policen wie Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherungen eine Rolle - im negativen wie im positiven Sinne. So sehen die meisten Versicherer hier ebenfalls Ausschlüsse für Risikosportarten wie Basejumping oder Stock-Car-Rennen vor.

Andere Versicherer wie die Generali belohnen sportlich aktive Kunden mit Prämiennachlässen - hier geht es aber eher um konventionelle Sportaktivitäten wie Joggen oder den Fitness-Studio-Besuch.