bedeckt München 24°
vgwortpixel

Spanischer Modekonzern Mango:In Barcelona laufen alle Unternehmensbereiche zusammen

Der Raum, in dem López sitzt, wird zur Hälfte von einem Gemälde dominiert, an der Wand gegenüber stehen mehrere mindestens 100 Jahre alte Registrierkassen: vergoldet, verziert, jede so groß wie ein Nachtschränkchen. Das ist Mango: Inspiration auf der einen Seite, Geldverdienen auf der anderen.

Das letzteres in der Krise schwieriger geworden ist, zeigt sich auch daran, dass Mango im März die Preise für die Saisonkleidung um 20 Prozent senkte. Seitdem hätten sich die Umsätze um 40 Prozent erhöht, sagte Geschäftsführer Casi kürzlich der spanischen Presse. Auch die Mitarbeiter spüren die Krise, es gab Entlassungen.

Der Wettbewerb sei härter geworden, erzählt eine Angestellte. "Es wird genau geprüft, wer wie viel arbeitet. Wer nicht genug leistet, muss gehen." Die 29-jährige Designerin ist seit drei Jahren dabei. "Alles, was ich heute kann, habe ich bei Mango gelernt", sagt sie. Und dass sie hier viel Raum finde, ihre Talente zu entfalten.

Die Hierarchien, sagt sie, seien hier so flach wie die beiden Hallengebäude, in denen ein Teil der 1800 Mitarbeiter an endlos langen Tischen Handtaschen entwirft und mit Einzelhändlern telefoniert. Für Außenstehende ist nicht zu erkennen, wo an den Tischen die Abteilungsleiter sitzen. Manchmal, so sagt Sprecherin Georgina Pratginestos, nehme Isak Andic, jener kleine, graulockige, bebrillte Mann in heller Canvas-Hose und blütenweißem Leinenhemd, der in diesem Moment eilig durch den Gang huscht, sich seinen Computer und setze sich mitten unter seine Angestellten.

Zum Familiensinn gehört auch die Heimat - sie liegt eindeutig in Barcelona. Hier laufen alle Unternehmensbereiche zusammen, hier engagiert sich Andic auch für die örtliche Kunstmesse Swab als Sponsor. Hier verleiht er - im Kunstmuseum MNAC - jährlich einen mit 300 000 Euro dotierten Designer-Nachwuchspreis. In der Zentrale wird die Gestaltungsbasis jedes Schaufensters und jeder Filiale weltweit erdacht und erprobt. Hier kaufen die Franchisenehmer aus Berlin, Prag und Taipeh für ihre Läden ein. Im Vorführraum nimmt Georgina Pratginestos ein Kleid von der Stange: sehr lang, sehr purpur, viele Pailletten - Kundinnen in Nahost mögen das.

Für den westlichen Markt wird das Modell ohne Ärmel und mit weniger Pailletten angeboten. Daneben plustert sich ein Wintermantel auf - für russische Kundinnen extra dick gefüttert. Genäht wird teils in Asien, zum Beispiel in Vietnam und Indien, zum großen Teil jedoch in Marokko und in der Türkei. Mit einem Zertifikat, Aitex heißt es, will Mango garantieren, dass keine giftigen Stoffe verwendet werden und die Näherinnen zu fairen Bedingungen entsprechend den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation arbeiten.

Mode, Kunst, Familie - was hat das alles mit Obst zu tun? Daniel López lacht. Der Name sei eine Idee von Isak Andic, der gern Obst esse, aber vor allem einen großen Plan hat: überall in der Welt präsent und bekannt zu sein. So, wie der Name für die gelbe Frucht, die in der ganzen Welt denselben Namen trägt: Mango.

  • Themen in diesem Artikel: