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Skandal bei Burger King:Warum Franchise trotzdem funktioniert

Burger King

So wie ein Frittenrestaurant läuft, so laufen alle: Nicht nur Burger King arbeitet mit einem Franchisesystem.

(Foto: dpa)

Der Fall Burger King zeigt: In der Fast-Food-Branche geht es nicht immer sauber und ordentlich zu. Der Weltkonzern selbst führt die Geschäfte in den betroffenen Filialen nicht - er wälzt die Verantwortung ab. Es wäre allerdings ein Fehler, nun das gesamte Franchisesystem in Frage zu stellen.

Von Max Hägler

Es sind Namen, die für gleichbleibende Qualität stehen: Burger King, McDonald's, Pizza Hut. Wer auf der ganzen Welt präsent ist, der wird - Nährwertaspekte mal außen vor gelassen - ordentliche Qualität liefern, zumal in Zeiten von sozialen Medien, wo Ärger doch so schnell verbreitet werden kann: ein kleiner Wurm im Salat, eine üble Salmonellen-Vergiftung, matschiges Gemüse, abgestandene Cola, mies bezahlte Mitarbeiter. Weltkonzerne können sich so etwas nicht leisten. Deshalb haben sie doch Richtlinien und Tester.

Der Fall Burger King zeigt: Ganz so sauber und ordentlich geht es eben nicht immer zu. Gerade hat die Deutschlandzentrale 89 Filialen die Lizenz entzogen. Der Betreiber hat Schindluder getrieben mit den Lebensmitteln, hat Angestellte drangsaliert, Löhne nicht korrekt bezahlt. Das heißt: Nicht der Weltkonzern selbst hat die Geschäfte geführt, sondern ein Franchise-Nehmer, wie sie das nennen. Die Verantwortung wälzt der Konzern ab. Aber deswegen muss man nicht das gesamte Franchisesystem infrage stellen.

Im Gaststättengewerbe gibt es das, der Autovermieter und Baumärkte wie Obi machen das - über 10 000 "Systeme" gibt es weltweit. Das Prinzip: Ein Franchise-Nehmer nimmt gewissermaßen unter einer möglichst bekannten Dachmarke Platz. Er darf sich das genormte Neon-Firmenschild über die Tür schrauben, profitiert im Falle Burger King von einem gemeinsamen Einkauf beim genormten, ewig gleich schmeckenden Formvorderschinken, bunten Pappbechern und all solchen unkreativen Einheitsdingen.

Das System Franchise hat Folgen - vor allem für die Beschäftigten ganz unten

Im Gegenzug muss der Unternehmer Marken- und Werbegebühren zahlen. Bei Burger King etwa sind es insgesamt zehn Prozent vom Umsatz. Ein schöner Teil davon bleibt, wenn es gut läuft, als Gewinn beim namensgebenden Konzern, der selbst gar nichts mehr produziert. Die Kette der Nutznießer des Burgerbratens verlängert sich: Ganz oben sitzen reine Kapitalisten. Unterm Strich konnten die Manager im schicken Burger-King-Hauptquartier in Florida von den 12 000 Filialen in aller Welt 234 Millionen Dollar Gewinn einsammeln. Die Aktien stehen gerade bei 32,50 Dollar.

Ein Gefüge, das Folgen hat für die Beschäftigten ganz unten: Weil nicht nur die Eigentümer, sondern auch der Markeninhaber möglichst viel Rendite will, wird extrem knapp kalkuliert. Gewerkschaften berichten etwa, dass Schnellrestaurants, die im Besitz der jeweiligen Dachmarke waren, ihren Mitarbeitern Burger und Cola umsonst gaben. Als solche Filialen an Franchise-Nehmer übergingen, strichen die meist solche Nettigkeiten. Bei den 89 Burger-King-Filialen, die jetzt im Zwielicht stehen, wurde das Auspressen perfektioniert, nachdem Burger King sie verkauft hatte: Der Franchise-Nehmer kündigte alle Betriebsvereinbarungen und setzte in seinen Läden auch zu wenig Leute ein.

Ein systembedingter Exzess auf dem Rücken der Kleinen und vielleicht auch der Kunden? Das wäre eine zu einseitige Schlussfolgerung.

Vorteile für Verbraucher

Natürlich spart Franchise dem namensgebenden Konzern Risiko und Kapital: Investitionen und Fixkosten etwa für Miete und Personal trägt der Franchise-Nehmer. Aber der profitiert von zentral gesteuerten Werbekampagnen und einem standardisierten Geschäftsplan: So wie ein Frittenrestaurant läuft, so laufen alle. Unternehmersein wird da leicht gemacht.

Für den Verbraucher hat dies den Vorteil, dass er sich weitgehend auf die Qualität verlassen kann - denn Vorfälle wie jetzt bei Burger King sind ganz überwiegend die Ausnahme, die Kontrollen sind zu stark. Es gilt: Wenn ein Unternehmen weltweit aktiv ist, kann es sich keine großen Verfehlungen leisten, weil das die ganze Marke und damit alle Franchise-Nehmer in Mitleidenschaft zieht. Dem Verbraucher ist es schließlich völlig egal, wer nun die Frittenbude betreibt. Burger King hat das in den vergangenen Monaten gespürt und gegengesteuert - mit TÜV-Untersuchungen.

Und auch für Arbeitnehmer bietet Franchise eine gewisse Sicherheit. Die allermeisten Franchisenehmer sind Mitglied im Systemgastronomie-Verband - der wiederum mit der Gewerkschaft Tarifverträge aushandelt, von denen die oft ungelernten Mitarbeiter profitieren. Kleine Imbissbuden dagegen sind meist autonom und Gewerkschaften haben keinen Einblick. Die jetzt betroffenen Burger-Läden sind bezeichnenderweise aus dem Verband ausgetreten. Ob Burger oder Pizza: Franchise-Küche mag langweilig schmecken und Schnellrestaurants sind meist keine Zier fürs Straßenbild. Ein schlechtes oder gar böses Geschäftsmodell ist es aber nicht.

© SZ vom 21.11.2014
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