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Selbständige:Erhöhtes Berufsrisiko

Coronavirus - Frankfurt/Main

Zettel am Schaufenster einer wegen der Corona-Epidemie geschlossenen Buchhandlung in Frankfurt.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Innerhalb weniger Tage sind ihnen sämtliche Aufträge weggebrochen. In der Corona-Krise sind Freiberufler und Kleinunternehmer auf Hilfe angewiesen.

Von Helena Ott

Sie haben gespart, sich mühsam ihr eigenes Geschäft aufgebaut. Sie haben viel Geld und meist viele Überstunden investiert. Viele von ihnen waren finanziell unabhängig. Dann kam das Coronavirus, raubte ihnen innerhalb weniger Tage nicht nur Kunden und Aufträge, sondern auch die Perspektive, wie es mit ihrer Arbeit in den nächsten Monaten weitergeht.

In Deutschland leben 4,2 Millionen Selbständige, gut die Hälfte davon sind solo-selbstständig, sie üben ihre Tätigkeit also frei und ohne Mitarbeiter aus. Sie sind Dolmetscher, Musiker, Fotografen, Friseure oder Heilpraktiker. Freiberufler und Kleinstunternehmer treffen die Folgen des aggressiven Virus besonders hart. Viele haben keine großen Rücklagen - die meisten geben an, dass sie gerade einmal zwei Monate ohne Einnahmen überstehen könnten.

Im Gegensatz zu Angestellten haben sie keine Arbeitsverträge; und sollten sie sich mit Covid-19 infizieren und länger krank sein, zahlt ihnen keiner den Arbeitsausfall. Mit dem Coronavirus ist nun ein Risiko eingetreten, das sie nicht kalkulieren konnten. Nun kündigte die Bundesregierung an, zügig ein Hilfspaket auf den Weg zu bringen. 40 Milliarden sollen Solo-Selbständigen und Kleinunternehmern helfen, weiter ihre wenigen Mitarbeiter, Miete und Strom bezahlen zu können.

Viele plagt aber nicht nur der finanzielle Druck, sondern auch die Frage, was sie jetzt Sinnvolles tun können. Manche scherzen, dass sie sich in den nächsten Monaten beim Spargelstechen sehen würden. Dabei ist die Idee gar nicht so absurd. In dieser Saison könnten mehrere tausend Erntehelfer aus Osteuropa fehlen, weil sie nicht mehr einreisen dürfen.

Aber manche Selbständige müssen sich jetzt auch Vollzeit um ihre Kinder kümmern, weil der Partner in sogenannten "systemrelevanten" Berufen arbeitet, als Kassierer, im Krankenhaus oder bei einem Versorgungsbetrieb. Die SZ hat einen Rundruf bei Betroffenen gestartet und gefragt, wie es ihnen in diesen Tagen geht.

© SZ vom 21.03.2020
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