RWE Rauere Zeiten

"Die Krise ist bei Weitem noch nicht ausgestanden", sagte RWE-Chef Peter Terium zu den Aktionären.

Von Martin Balser, Berlin

Die Saalkameras zoomten die Führung des Energiekonzerns ganz nah heran. Als RWE-Chef Peter Terium am Donnerstag zu Beginn der Hauptversammlung seinen ganzen Vorstand auf die Bühne holte, wurde es persönlich: "Viele Fragen gehen einem gerade durch den Kopf", sagte der Chef des angeschlagenen Stromkonzerns. Nach dem Atomausstieg greife die Politik auch noch Braunkohlekraftwerke an. "Wie fühlst du dich?", wollte Terium vom Vorstandskollegen Rolf Martin-Schmitz wissen. "Überhaupt nicht gut", antwortet der zuständige RWE-Vizechef. Auch den 5000 versammelten Aktionären dürfte angesichts dieses Auftritts vor den eigenen Aktionären mulmig geworden sein. "Die Krise ist bei Weitem noch nicht ausgestanden. Die Zeiten werden sogar noch rauer", sagte Terium weiter. Die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Einführung einer Klimaschutzabgabe für alte Kohlekraftwerke kritisierte Terium hart. Sie würde "das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebaue und Braunkohlekraftwerke bedeuten", sagte der RWE-Chef. Damit seien Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet. Der Konzern behalte sich auch eine Aufspaltung nach dem Vorbild von Eon vor. Investoren forderten eine neue Strategie für Deutschlands größten Stromkonzern. Schwierige Machtverhältnisse ließen das bislang offenbar nicht zu, sagte Ingo Speich von Union Investment, einem der größten RWE-Investoren. RWE sei nach wie vor einer der größten CO₂-Emittenten Europas - "ein trauriger Negativrekord".