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RWE:Abschied von Kohle und Atomkraft

Germany Maintains Ambitious Goals For Renewable Energy Sources

RWE-Kohlekraftwerk bei Bergheim: Aus der Kohleverstromung muss der Konzern bis 2038 aussteigen. Die Zukunft gehört Wind und Sonne.

(Foto: Volker Hartmann/Getty Images)

RWE will Milliarden in Wind- und Solarenergie investieren. Doch die Aktie bricht ein.

Braunkohle und Kernkraft, auf diese Energieträger setzte RWE jahrzehntelang. Doch nun, da Deutschland den Ausstieg aus beiden beschlossen hat, degradiert der Konzern sie zum letzten von nunmehr fünf Segmenten - fernab vom Kerngeschäft. Nach dem Atomausstieg 2022 soll die Kohle allenfalls noch 200 Millionen Euro Betriebsgewinn jährlich beisteuern, so die Prognose, schlechtestenfalls ist eine schwarze Null vorgesehen.

Kerngeschäft von RWE sollen stattdessen Wind- und Solarparks auf der halben Welt werden - sowie Gas-, Biomasse- und Wasserkraftwerke, die auch in dunklen und windstillen Stunden Strom erzeugen. Fünf Milliarden Euro will der Konzern bis 2022 in Ökostromanlagen investieren, ein Fünftel davon hierzulande. "RWE ist nun wieder ein Wachstumsunternehmen", sagt Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, "und das Wort international heißt nicht mehr europäisch, sondern global". In Nordamerika und Japan sind die Essener bereits, nach Taiwan und Korea wollen sie noch.

Möglich macht den Wandel zum einen, dass Deutschlands größte Energiekonzerne RWE und Eon ihre Geschäfte neu verteilt haben: RWE beschränkt sich fortan auf Kraftwerke und Energiehandel, Eon auf Netze und das Endkundengeschäft.

Zum anderen besiegelt Deutschland derzeit den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung bis spätestens 2038. RWE soll damit schneller beginnen als Kraftwerksbetreiber in wirtschaftlich schwächeren Revieren in Ostdeutschland. Bis 2023 fielen daher 3000 Stellen bei RWE im Rheinland weg, kündigt Schmitz an, bis 2030 etwa 6000 Arbeitsplätze. "Wir gehen davon aus, dass es ohne jegliche betriebsbedingte Kündigungen geht." Der Bund hat sowohl Hilfen für die Beschäftigten angekündigt als auch eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro an RWE. Der Konzern verweist hier auf Rückstellungen für die Rekultivierung der Tagebaue, aber auch auf Abschreibungen, den Umbau des Kraftwerksparks sowie den Stellenabbau.

Für 2019 meldet RWE einen auf 1,2 Milliarden Euro gestiegenen Gewinn - vor allem dank außergewöhnlich hoher Erträge im Handel mit Strom und Rohstoffen. Da damit nicht noch mal zu rechnen sei, prognostiziert der Konzern für dieses Jahr einen Gewinnrückgang auf 0,85 bis 1,15 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen nun eine höhere Dividende von 80 Cent je Anteilsschein erhalten. Im nächsten Jahr soll die Ausschüttung auf 85 Cent je Aktie steigen.

Dennoch hat RWE an der Börse am Donnerstag zeitweise 18 Prozent an Wert verloren. Nicht nur der allgemeine Kurseinbruch wegen der Folgen des Coronavirus riss RWE mit herunter. Analysten bemängelten auch, dass der Konzernausblick auf dieses Jahr sowie Details der Investitionspläne enttäuschend seien.

© SZ vom 13.03.2020

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