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Rüdiger Grube:Von der Bahn zur Bank

Rüdiger Grube wird 65

Ex-Bahn-Chef Rüdiger Grube auf neuen Wegen: Als "Chairman" für Deutschland soll er mit seinen Kontakten Geschäfte für das Investmenthaus Lazard anbahnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ex-Bahn-Chef hat einen neuen Job: Er wechselt zu einer kleinen, aber einflussreichen Investmentbank.

Dem Vorurteil zufolge sind Finanzberater ziemlich langweilige Menschen. Demnach haben sie kein Hobby und denken nur daran, mehr Geld zu verdienen. Auffällig ist, dass sich beim Investmenthaus Lazard so einige versammeln, auf die das Vorurteil nicht so recht passen will. Einer spielte leidenschaftlich Basketball (Vorstandschef Ken Jacobs), ein anderer hört in seinem Büro mit Vorliebe laute Punkmusik und investiert in Rockzeitschriften (Frankreich-Chef Matthieu Pigasse). Einer ging ins Filmgeschäft (Ex-Deutschland-Chef Ernst Fassbender), einen anderen kennt man aus diversen Talkshows (Ex-US-Botschafter John Kornblum war bis 2009 bei der Firma). Man könnte sagen: Das Haus hat eine Vorliebe für Charakterköpfe. Nun holt es sich ein weiteres bekanntes Gesicht. Für Ex-Bahn-Chef Rüdiger Grube wird der Posten des "Chairman" für das Investmentbanking in Deutschland ausgelobt. Das ist der Titel, den früher schon einmal Kornblum innehatte.

Grube, ein gelernter Metallflugzeugbauer, ist alles andere als ein Banker, geschweige denn Investmentbanker. Aber er hat etwas, das Investmentbanker unbedingt brauchen: ein großes Adressbuch und die Gabe, diese Adressen einzusetzen. Denn wenn es darum geht, große Deals einzufädeln, also etwa eine Unternehmensübernahme oder einen großen Kredit für einen Staat, geht das nicht ohne die notwendigen Kontakte.

Lazard rekrutiert mit Vorliebe Charakterköpfe, die ein gutes Netzwerk mitbringen

In diesen beiden Geschäftsfeldern macht das kleine, verschwiegene Investmenthaus den Großbanken der Welt gehörig Konkurrenz. Auch wenn sich Lazard nicht gern als Bank bezeichnen lässt, sondern sich als "Vermögensverwalter und Finanzberatung" tituliert, verweist man gern auf die "League Tables", so etwas wie die Champions-League-Tabelle der Großbanken. Wenn es um Fusionen und Übernahmen geht, rangiert Lazard häufig im obersten Drittel zwischen Namen wie Goldman Sachs oder JP Morgan, inzwischen oft auch oberhalb der Deutschen Bank. Und das, obwohl Lazard mit nur knapp 2800 Mitarbeitern im Vergleich zu den Großbanken ein Zwerg ist.

In Europa wurde Lazard in der Schuldenkrise bekannt. Über Jahre hinweg hat das Haus die griechische Regierung bei der Restrukturierung des maroden Haushalts beraten. Das Geschäft mit staatlichen Kunden ist tief in der DNA des Hauses verankert. Der erste Großkunde war der französische Staat, damals im Goldrausch des 19. Jahrhunderts, als drei französische Brüder in New Orleans "Lazard Frères & Co." gegründet hatten. Heute besteht das internationale Netzwerk aus 43 Standorten in 27 Ländern. Jahrelang gab es zwei Hauptsitze, einen in New York, einen in Paris, bis die Amerikaner den Machtkampf für sich entschieden haben.

Politiknah war das Haus also schon immer. Daher rührt auch die Tradition, politiknahe Köpfe zu rekrutieren. Dafür ist Jörg Asmussen ein gutes Beispiel. Der frühere Direktor der Europäischen Zentralbank und Ex-Staatssekretär arbeitet seit vergangenem Jahr für Lazard, gerade wurde er zum Leiter für das europäische Geschäft mit Finanzinstitutionen befördert. Auch der schillernde Frankreich-Chef Matthieu Pigasse war zuvor im Finanzministerium in Paris tätig, war ein enger Vertrauter des IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn.

Die Firma hat nur 2800 Mitarbeiter, macht aber Großbanken Konkurrenz

Auch Grube bringt durch seine Zeit bei der Bahn Kontakte in die Politik mit. Er gilt als SPD-nah und passt auch damit gut zu Lazard. Auch wenn das Investmenthaus darauf bedacht ist, keinerlei politische Haltung zu zeigen, so ist es kein Geheimnis, dass Pigasse und Asmussen dem sozialdemokratischen Lager zuzuordnen sind und Vorstandschef Ken Jacobs in den USA den Demokraten inhaltlich näher ist als den Republikanern.

Der Kontakt zwischen Lazard und Grube kam nicht über die Politik, man kennt sich aus Grubes Zeit bei Daimler. Als der Weltkonzern DaimlerChrysler entstand, war Grube der Vorstand für Konzernentwicklung. Unter den Investmentbankern, von denen sich Daimler beraten ließen, waren auch zwei Banker, die heute für Lazard arbeiten. Einer davon ist der heutige Co-Deutschland-Chef Eric Fellhauer. Später, als Grube als Bahnchef eine Teilprivatisierung der Töchter Schenker und Arriva prüfen ließ, bekam Lazard den Auftrag. Grube sagt über seinen neuen Job: "Ich habe Lazard als lösungsorientierten Premium-Anbieter mit extrem starken Fokus auf Kunden erlebt und freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Team."

Und dem bisschen Geschmäckle, dass Lazard ein Finanzinstitut ist, und die Banken sind nach den Erfahrungen der Finanzkrise nun wahrlich keine Sympathieträger. Grube wirkt dem mit dem Hinweis entgegen, dass er weder mit Handel noch mit Hedgefonds zu tun habe. Finanziell gut entschädigt wird er in diesem Job allemal.