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Rückzug vom Aktienmarkt:Keine Konzerte, keine Börse

Das war einmal: Ein Konzertbesucher filmt mit seinem Handy. Großveranstaltungen sind in der Pandemie so gut wie nicht möglich.

(Foto: Noiseporn/Unsplash)

Der Ticketverkäufer Deag soll übernommen werden.

Von Caspar Busse

Deep Purple, Die Ärzte, Iron Maiden, Randy Newman, Anna Netrebko, die Berliner Philharmoniker - fast alle in der Musikbranche vertrauen auf den Berliner Konzertveranstalter und Ticketverkäufer Deag, wenn sie Veranstaltungen und Touren planen. Doch in der Pandemie ist seit Monaten Flaute angesagt, Großveranstaltungen sind praktisch verboten. Der Umsatz der Deag, was für Deutsche Entertainment AG steht, ging in den ersten neun Monaten 2020 um fast zwei Drittel auf nur noch 39 Millionen Euro zurück. Mit einem operativen Verlust rechnet das Unternehmen zwar nicht. Die Aktie ist seit Anfang 2020 jedoch deutlich nach unten gegangen. Anfang Dezember noch hatte sich die Deag über die Staatsbank KfW einen Kredit über 25 Millionen Euro besorgt.

Nun legt ein Investor ein Übernahmeangebot für die Firma vor und will diese anschließend von der Börse nehmen. Der vor allem bei Fintechs und anderen Start-up-Firmen aktive Christian Angermayer kündigte über eine maltesische Holding eine Offerte für die restlichen Anteile an. Er hält bereits 18 Prozent an der Deag. Dabei hat er sich mit dem ehemaligen Hedgefonds-Manager Mike Novogratz und weiteren Deag-Aktionären zusammengetan, die nach Unternehmensangaben zusammen auf 47 Prozent kommen und gemeinsam mit Angermayer investiert bleiben wollen. Novogratz hält allein knapp 14 Prozent an dem Konzertveranstalter.

Firmengründer Peter Schwenkow, 66, der auch Deag-Vorstandsvorsitzender ist, stellte sich hinter die Pläne: Die Großaktionäre hätten zugesagt, den Wachstumskurs der Deag zu begleiten - "trotz der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten über die Zukunft der Live-Entertainment-Industrie durch die weiterhin bestehenden Restriktionen". Weiterhin sollten alle bestehenden Verträge mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Dienstleistern und Künstlerinnen und Künstlern "vollumfänglich" bestehen bleiben. Schwenkow hatte die Firma 1978 mit einem Partner gegründet. Seit 1998 ist die Deag an der Frankfurter Börse notiert. 2002 wurde das Musical-Geschäft verkauft. 2019 wurden für über 4000 Veranstaltungen mehr als fünf Millionen Tickets angesetzt, nun ist das Geschäft weitgehend zum Erliegen gekommen.

Mit voraussichtlich 3,07 Euro je Deag-Aktie liegt die Offerte an die übrigen Aktionäre allerdings deutlich unter dem Schlusskurs von 3,65 Euro am vergangenen Freitag und noch viel weiter unter dem Höchstkurs der Deag-Aktie im Jahr 2020, der bei 6,36 Euro lag. Bei der Entscheidung über den Rückzug von der Börse haben die anderen Aktionäre aber nichts mitzureden. Wenn sie nicht verkaufen, laufen sie Gefahr, dass sie ihre Aktien nicht mehr handeln können. Am Montag verlor die Aktie fast 15 Prozent auf 3,10 Euro.

© SZ vom 12.01.2021
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