Richard Branson:Was für ein Spaß

Bits & Pretzels

Lederhosn, Wadlwärmer, Weste: Der Brite Richard Branson macht ausnahmsweise auf Wiesn-Münchner.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Der britische Unternehmer unterhält auf der Gründermesse Bits & Pretzels seine Fans. Auch wenn er über viele Themen schweigt.

Von Katharina Kutsche

Richard Branson bekommt schon stürmische Ovationen, als er noch gar nichts gesagt hat. Allein dass der Brite da ist - in Lederhose, rot-weiß-kariertem Hemd, Haferlschuhen und Wadlwärmern - reicht aus, dass die etwa 5000 Besucher der Gründerkonferenz Bits & Pretzels aufstehen und jubeln. Branson, Unternehmer und Gründer der Virgin Group, sitzt auf einem grauen Sofa auf der Hauptbühne der Münchner Messe und stellt sich den Fragen der US-Journalistin Kara Swisher. Die steigt mit seinem Fahrradunfall vor einigen Wochen ein und fragt, wie es Branson inzwischen geht. Gut, sagt Branson, er sei eigentlich gerade auf einer tausend Kilometer währenden Radtour durch Italien unterwegs. Am Dienstag schwimme er von Sizilien aus zum italienischen Festland, "heute ist mein Ruhetag, wenn ich mit euch spreche".

Drei Videos, eine Mischung aus Werbung und Namedropping, zeigen seine Arbeit und Engagements: Branson mit Nelson Mandela und Jimmy Carter, Branson, der mit afrikanischen Kindern tanzt, Branson im Heißluftballon und auf seiner Privatinsel Necker Island. Die Botschaft: Es macht Spaß, Richard Branson zu sein.

Das Ziel von Bransons Auftritt sollte sein, so die Veranstalter, die versammelten Gründer zu inspirieren, zu zeigen, was Unternehmertum heißt und was man als Unternehmer alles bewegen kann. Moderatorin Swisher bemüht sich sehr, Branson zu konkreten Antworten zu bewegen, doch der liefert eher Allgemeines. Was einen Unternehmer ausmache? "Du musst den Wunsch haben, das Leben anderer Menschen besser zu machen", sagt Branson. Oder: "Ein guter Unternehmer umgibt sich mit Menschen, die besser sind als er. Und sie belasten sich nicht mit zu vielen Details." Auf die Frage, was in seiner Karriere mal nicht so gut gelaufen sei, antwortet Branson ebenfalls ausweichend. Ja, um Erfolg als Unternehmer zu haben, brauche es Rückschläge. "Steh wieder auf und lern' daraus", sagt Branson, nennt aber keinen unternehmerischen Fauxpas, sondern den Fahrradunfall.

"Jeder wollte, dass es weitergeht, auch die Familie des Piloten."

Dabei gibt es durchaus konkrete Rückschläge, über die Branson hätte genauer sprechen können. Den Absturz eines Prototyps von Bransons Raumfahrtprojekt etwa, bei dem ein Testpilot ums Leben kam. Branson lässt an einem eigenen Spaceshuttle bauen, auch diese Unternehmung trägt den Namen seiner Firmengruppe, Virgin Galactic. Damit möchte er Weltraumflüge für Touristen ermöglichen, Einstiegspreis 250 000 Dollar pro Person. Seit 2011 entwickeln Ingenieure die Prototypen der Virgin Space Ship Enterprise auf Bransons eigenem Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico. Auf der Warteliste für die ersten Flüge stehen angeblich Prominente wie Angelina Jolie und Leonardo DiCaprio. Doch bei einem Testflug im Oktober 2014 stürzte der Prototyp über der Mojave-Wüste in den USA ab, einer der zwei Piloten starb. "Jeder wollte, dass es weitergeht, auch die Familie des Piloten", sagt Branson zu dem Unfall.

Auch zu seiner Arbeit für den Klimaschutz gibt er wenig konkrete Einblicke: Ein Unternehmen, das etwas zur Verbesserung der Welt beitrage, motiviere und binde ihre Mitarbeiter stärker an sich, so Branson. Und so bleibt nach seiner Rede nur der Eindruck eines Menschen, der viel erreicht hat, viel zurückgeben und noch einiges erreichen will. "Ich habe eine Menge Leute in Rente gehen sehen, aber sie wirkten nicht glücklicher", sagte Branson.

© SZ vom 27.09.2016
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