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Rente:Neue Vorschläge sorgen für Streit

Arbeitgeberpräsident bringt noch längere Lebensarbeitszeit ins Spiel, die Gewerkschaften sind entrüstet.

Vor Weichenstellungen für das Rentensystem im neuen Jahr warnen die Gewerkschaften vor längeren Lebensarbeitszeiten. "Diese Debatte geht in die völlig falsche Richtung", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann in Berlin. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hingegen hält ein Nachdenken darüber für angebracht. Eine Rentenkommission aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Experten und Politikern berät derzeit intensiv über die künftige Absicherung der Altersvorsorge. Im März will sie Vorschläge vorlegen.

Kramer sagte weiter, das Wichtigste sei, die arbeitende Bevölkerung auf hohem Niveau zu halten. Die Debatte über längeres Arbeiten solle man nicht heute führen. Erst mal steige das Renteneintrittsalter ja schrittweise bis 2029 auf 67 Jahre an. "Aber im Kern ist es nicht ganz falsch zu sagen: Arbeitszeit muss in einer bestimmten Relation zur Lebenszeit stehen." Der FDP-Sozialpolitiker Johannes Vogel forderte zudem mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Die führe dazu, dass jeder selbst entscheiden könne, wann er in Rente gehe. Man solle umso weniger Rente bekommen, desto früher man aus dem Arbeitsleben ausscheide.

DGB-Chef Hoffmann sagte: "Es gibt einige Politiker, die das Heil in längerem Arbeiten sehen und der Auffassung sind, man möge doch bitte bis 69 oder 71 arbeiten." Zwar sei die Lebenserwartung gestiegen. Wer aber schwer und körperlich arbeite, habe dadurch eine geringere Lebenserwartung. "Ein höheres Renteneintrittsalter ist deshalb für die Ärmeren und stark Belasteten de facto eine Rentenkürzung", monierte Hoffmann.

© SZ vom 30.12.2019 / dpa

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