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Reiseveranstalter:In Kusadasi tagen? Lieber nicht

Eigentlich sollte die Veranstaltung in der Türkei stattfinden, aber es gab zu wenig Anmeldungen.

Bei ihnen kann man zwar Urlaubsreisen in die Türkei buchen, doch selbst viele Vertreter von deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros wollen derzeit selbst nicht in das Land. Der Deutsche Reiseverband DRV verlegte deshalb seine in der Küstenstadt Kusadasi geplante Jahrestagung nach Berlin, wo sie nun an diesem Freitag und Samstag stattfindet. Bis Anfang September hatten sich nur 200 Teilnehmer angemeldet für die in der Türkei geplante Tagung. An der letzten vergleichbaren Veranstaltung des führenden Branchenverbandes vor einem Jahr in Lissabon hatten viermal so viele Menschen teilgenommen.

Offiziell hatte der Verband die Absage der Tagung in der Türkei nach einer Reihe von Anschlägen und umstrittenen politischen Maßnahmen nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli mit dieser geringen Zahl von Anmeldungen begründet. DRV-Präsident Norbert Fiebig hatte darauf hingewiesen, dass die jetzt fälligen Vorstandswahlen nicht in so kleinem Kreis stattfinden sollten. Auch der frühere Rewe-Manager Fiebig selbst kandidiert für eine weitere dreijährige Wahlperiode.

Im Vorfeld der Kusadasi-Tagung hatten allerdings einige Vertreter der deutschen Reiseindustrie öffentlich deutliche Kritik an der amtierenden türkischen Regierung geübt. Verbandschef Fiebig hält sich da bedeckt und bekräftigte in Berlin: "Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Mitglieder politische Statements abgeben. Wir als Verband wären jedoch schlecht beraten, wenn wir beginnen würden, die politischen Systeme in den einzelnen Destinationen zu bewerten und Handlungsempfehlungen zu geben." Schließlich gibt es etliche beliebte Reiseländer der deutschen Pauschalreisenden, in denen die politischen Verhältnisse nicht annähernd so demokratisch sind wie in Deutschland.

Die Tagung der deutschen Reiseindustrie in der Türkei soll nun 2018 in dem Seebad an der Ägäisküste nachgeholt werden. Reise-Präsident Fiebig: "Tourismus steht für Weltoffenheit und kulturellen Austausch und sichert Einkommen gerade auch in vielen wirtschaftsschwachen Destinationen."

© SZ vom 28.10.2016

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