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Reiche:Meine Villa, mein Auto, mein Kennzeichen

"Meins ist am kleinsten" - kurze Kennzeichen mit niedrigen Zahlen sind in der Schweiz prestigeträchtig.

(Foto: imago)

Wer die Reichen in der Schweiz entdecken will, sollte auf die Nummernschilder der Autos achten.

Am Ende machten hundert Franken den Unterschied. Die bot Otto Ruppen mehr als sein Mitstreiter und stach ihn so vor Kurzem aus. Und dann durfte der Industrielle für einen Gesamtbetrag von 160 100 Franken, also umgerechnet 149 300 Euro, die formidable Buchstabenkombination "VS 1" für sich und sein Auto beanspruchen - das ist ein neuer Rekord für Kennzeichenpreise in der Schweiz.

Solche Preise entstehen aus einem simplen Grund: Die Schweiz erlaubt keine Wunsch-Kennzeichen. Daher sind besondere Zahlen oder Glückszahlen gefragt - und sie lassen sich für Tausende von Franken kaufen und verkaufen.

"Das ist eine Frage des Prestige", sagt Stefan Cardinale, der in einem Autohaus für Ferraris und Maseratis in Zug arbeitet. "Leute, die in auffällige Wagen investieren, wollen, dass die Welt sieht, wie großartig sie sind." Käufer von Luxus-Autos fragen seinen Worten zufolge oft nach niedrigen Ziffern und sind bereit, eine Menge Geld dafür zu bezahlen. Seinem Chef, Pierre Sudan, gehört das Nummer-1-Kennzeichen von Zug.

Nicht umsonst erzielte gerade die Kombination "VS 1" einen Rekord. "VS" steht für den Kanton Wallis im Westen der Schweiz.

Aber auch niedrige Zahlen stehen bei Kennzeichenkombinationen hoch im Kurs. Das hat historische Ursachen: Das Schweizer System von zwei Buchstaben für den Kanton und einer Zahl im Anschluss gibt es seit 1933. Anders als in den meisten europäischen Ländern wird das Kennzeichen nicht für einen Wagen vergeben, sondern für eine Person.

Weil man es vererben kann, sind Schilder mit niedrigen Zahlen ein Symbol für altes Geld. "Das trägt vielleicht dazu bei, dass einige Leute so sehr an ihrem Kennzeichen hängen", sagt Peter Kyburz, Chef des Straßenverkehrsamts in Zürich. "Je niedriger die Zahl ist, desto länger waren eine Person oder die Familie in der Lage, ein Auto zu fahren."

Auch Gewerbetreibende sehen diesen Imagevorteil: "Die Zahl 1 an unserem Auto zu haben, ist hauptsächlich ein Werbe- Instrument", sagt Marcel Kunz. Sein Taxi-Unternehmen Nova Taxi hatte Glück, als der Kanton Bern die Nummer vor mehr als 50 Jahren neu vergab. Die "1" ziert heute eines der Tesla-X-Fahrzeuge und wird regelmäßig von Leuten fotografiert. "Der langfristige Werbe-Effekt geht deutlich über den Zugewinn aus einem Verkauf hinaus", berichtet Kunz. "Wer sonst kann von sich behaupten, dass er nicht nur die Nummer 1 ist, sondern diese auch besitzt?"

Längst sind die Verkäufe von Autokennzeichen für die Gemeinden zur Einnahmequelle geworden: So sammelte St. Gallen im Jahr 2014 fast 1,7 Millionen Franken ein, indem spezielle Nummern, die zuvor zu Feuerwehren oder Rettungswagen gehörten, über Auktionen verkauft wurden. Laut Strafenverkehrsamtschef Kyburz bringt allein die Versteigerung von Nummernschildern dem Kanton Zürich pro Jahr an die drei Millionen Franken. Kurz vor Weihnachten spülte "ZH 888 888" knapp 47 000 Euro in die kantonale Kasse.

Wo die Preise hoch sind, steigt auch die kriminelle Energie. Und so werden die besonders begehrten Kennzeichen immer wieder auch geklaut. "Nachdem die beiden Nummernschilder 'LU 100' vom Auto meines Sohns gestohlen wurden - obwohl sie sicherer angebracht waren als vorgeschrieben - haben wir unser eigenes 'LU 40'-Schild sogar noch komplizierter befestigt", sagt Vreni Häberli, die in Aesch im Kanton Luzern lebt. "Wir würden sie nie verkaufen. Sie sind jetzt Teil des Familien-Erbes."

Allein ist die Schweiz übrigens nicht mit diesem Geschäft: In Großbritannien wurde vor einigen Jahren das Kennzeichen "F 1" für knapp 600 000 Euro gekauft - und später für mehr als 10 Millionen Euroverkauft.

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