Rangliste der Konjunktur-Prognosen Trotz falschem Pferd als erster durchs Ziel

Bei genauerem Hinsehen stellt sich auch heraus, dass manch einer der vermeintlich treffsicheren Wissenschaftler zwar die richtige Wachstumszahl erahnte, aber nicht mit der richtigen Begründung. So rechneten etwa die Ökonomen des Essener RWI-Instituts damit, dass die Wirtschaft (auch deshalb) schwächeln würde, weil die Deutschen ihren Konsum 2013 so gut wie nicht steigern würden.

Am Ende hat das Ausgabenplus bei einem Prozent gelegen - auch nicht berauschend, aber immerhin. Ein Zuwachs in dieser Größenordnung hatte das gesamt obere Dutzend der Auguren in der Endauswahl tatsächlich vorhergesagt.

Wie sehr Deutschlands Exporteure von der Krise getroffen würden, unterschätzten umgekehrt allerdings ebenfalls fast sämtliche Experten. Die Volkswirte der Bundesbank ahnten dabei immerhin, dass die Verkäufe rund um den Globus nicht einmal um zwei Prozent höher liegen würden als im Gesamtjahr 2012. Nur Citigroup-Ökonom Michels setzte das Plus sogar unter zwei Prozent an.

In Wirklichkeit dürften es noch mickrige 0,5 Prozent gewesen sein - ein herber Dämpfer nach vielen Jahren, in denen der frühere Exportweltmeister regelmäßig Zuwächse von bis zu zehn oder mehr Prozent produziert hatte.

Wer wird Prognostiker 2013?

Beim Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden verbleibenden Spitzenkandidaten für den Prognostiker 2013 lag am Ende dennoch DZ-Ökonom Stefan Bielmeier leicht vorn. Zwar überschätzte der Volkswirt, der als Deutsche-Bank-Konjunkturexperte schon 2005 einmal die beste Prognose abgab, die Exportkraft, wie viele andere auch. Dafür lag er punktgenau richtig - und besser als Michels - bei seiner Prognose zur Konsumlust der Deutschen.

Vor allem prophezeiten Bielmeier und seine Kollegen bei der DZ Bank vor einem Jahr bereits, dass Deutschlands Unternehmen ihre Investitionen unter dem Eindruck der Krise um noch einmal beängstigende rund zwei Prozent kappen würden - ein Hauptgrund dafür, dass die Konjunkturflaute so hartnäckig spürbar blieb.

Und: Bielmeier hatte das richtige Gespür für noch ein anderes beeindruckendes Phänomen des Konjunkturjahres 2013 - dass in Deutschland die Arbeitslosigkeit trotz einer derart heftigen konjunkturellen Krise und trotz steigender Lohnkosten nicht wieder hochschnellen würde.

In Wirklichkeit fiel sie im Schnitt 2013 mit 2,95 Millionen Arbeitslosen kaum höher aus als 2012. Damit hatten sonst fast nur die Auguren gerechnet, die für die Wirtschaft insgesamt - zu Unrecht - deutlich mehr Wachstum veranschlagt hatten.

Das Ranking wurde exklusiv von Wirtschaftswunder erstellt und basiert auf den Angaben der befragten Institutionen zum Ende des Jahres 2012.