qualifiziert & arbeitslos (IV) Allein mit der Suchmaschine

Bestens ausgebildet - und doch arbeitslos. Wer sich auf Jobsuche begibt, stellt fest, dass sich eine Schattenwelt auftut ... und viele an der Arbeitslosigkeit mitverdienen wollen.

Von Barbara Ehrenreich

Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem neu erschienenen Buch "qualifiziert & arbeitslos" wieder. Barbara Ehrenreich, die bereits in dem Bestseller "Arbeit poor" im Selbstversuch erkundet hatte, ob und wie man von Billigjobs leben kann, beleuchtet in ihrem neuen Buch die arbeitslose Mittelschicht.

Barbara Ehrenreich, hat Chemie, Physik und Molekular- biologie studiert und zählt heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. In ihrem neuen Selbstversuch begibt sie sich als erfahrene "PR-Frau" auf Stellensuche.

(Foto: Foto: Sigrid Estrada)

Ausgerüstet mit einer neuen Identität und einem Lebenslauf voller Qualifikationsnachweise versucht sie fast ein Jahr lang, in den USA Arbeit zu finden. Hier lesen Sie ihre ersten Schritte, tief hinein in eine Welt ganz eigener Art.

Natürlich ruhen nicht alle meine Hoffungen auf meinen Coachs.

So habe ich meiner neuen Identität Fleisch und Blut gegeben und ein Girokonto für Barbara Alexander eröffnet, eine Kreditkarte für sie beantragt und Visitenkarten für sie anfertigen lassen. Selbstverständlich hat sie auch schon eine E-Mail-Adresse.

Die Kleidung wird sie mit mir teilen müssen, denn zu diesem Zeitpunkt habe ich noch die naive Vorstellung, dass die Sachen, die ich bei meinen Vorlesungen in Colleges trage, auch in der Welt der Wirtschaft durchgehen.

Ich entferne den Namen Ehrenreich aus den Ansagetexten meines Anrufbeantworters und meiner Mobiltelefone, kaufe mir neue, auffällig dunkle Brillengestelle, die ich einzig danach auswähle, dass sie sich möglichst stark von meinen normalen, langweiligen Modellen unterscheiden.

Und ich stöbere in der Wirtschaftsabteilung der Großbuchhandlung Barnes and Nobles in meiner Nähe. Außerdem habe ich bereits von Kimberly gelernt, dass man "proaktiv" sein und "Eigeninitiative" an den Tag legen muss.

Mein Lebenslauf ist noch zu unvollständig, um ihn auf eine der großen Jobsuche-Sites wie Monster und HotJobs zu stellen, trotzdem gibt es unendlich viele Dinge im Internet, die ich machen kann.

Ich gehe auf die Seite des Verbands der "Event-Planner" und klaue mir daraus Begriffe, um meinen Lebenslauf aufzupuschen. Ich surfe weiter zu "Vor-Ort-Management" und "Evaluation von Ergebnissen".

Auf der Suche nach Tipps und - noch besser - Gesellschaft, gebe ich bei Google alle möglichen Kombinationen mit den Begriffen arbeitslos, leitende Angestellte, akademisch und Jobs ein.

Nicht die besten Suchbegriffe, stelle ich fest.