Preiseinbrüche am Rohstoffmarkt:Selbst der Goldkurs rutscht ab

Lesezeit: 2 min

Am Rohstoffmarkt befinden sich nahezu alle Kurse auf rasanter Talfahrt. Der Rohölpreis sank an einem Tag um fast zehn Prozent. Die stärksten Preiseinbrüche seit zwei Jahren schüren bei Anlegern die Angst vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur.

Moritz Koch und Christina Kramer

Aufruhr an den globalen Rohstoffmärkten: Die stärksten Preiseinbrüche seit zwei Jahren haben am Donnerstag Investoren aufgeschreckt. Ob Gold, Silber, Kupfer, Zucker, Mais oder Baumwolle - alle wichtigen Rohstoffe verzeichneten Verluste. Dramatisch waren auch die Verluste am Rohölmarkt. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI rauschte unter die 100-Dollar-Marke und notierte zuletzt bei 98,25 Dollar, ein Tagesverlust von rund zehn Prozent. Die Nordseesorte Brent verlor ebenfalls etwa zehn Prozent an Wert und kostete 109,02 Dollar.

Schuldenkrise treibt Goldpreis auf neues Rekordhoch

Auch Gold rutschte ab; der Preis fiel deutlich unter die Marke von 1500 Dollar pro Feinunze.

(Foto: dpa)

Der Ausverkauf hatte auf dem Silbermarkt begonnen. Seit Freitag hat Silber 30 Prozent seines Werts verloren, allein am Donnerstag betrug das Minus über zwölf Prozent. Kupfer geriet ebenfalls in den Abwärtssog. Eine Tonne davon kostete 8740 Dollar, so billig war das Industriemetall zuletzt im Dezember des vergangenen Jahres. Auch Gold rutschte ab; der Preis fiel deutlich unter die Marke von 1500 Dollar pro Feinunze.

Angst vor einer Überhitzung

An den Märkten grassiert die Sorge vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur. Insbesondere in den boomenden Schwellenländern versuchen Regierungen und Notenbanken die Wachstumsraten zu senken. Aus Angst vor einer Überhitzung fahren sie konjunkturstützende Investitionen zurück und erhöhen die Zinsen. Das drückt die Nachfrage nach Rohstoffen.

Hinzukommt, dass sich die wirtschaftliche Erholung der USA schlechter entwickelt, als von Investoren erhofft. Wie am Donnerstag bekannt wurde, stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche um 43.000 auf die saisonbereinigte Zahl von 474.000 - das ist der höchste Wert seit acht Monaten. Experten hatten dagegen mit einem leichten Rückgang der Erstanträge gerechnet.

Erst vor ein paar Tagen hatte das Wirtschaftsministerium gemeldet, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur um 1,8 Prozent gewachsen ist. Ende des vergangenen Jahres waren es noch 3,1 Prozent gewesen.

Aus Enttäuschung über eine ausgebliebene Zinserhöhung der europäischen Zentralbank verlor auch der Euro massiv an Wert. Binnen weniger Stunden rutschte die Gemeinschaftswährung von fast 1,49 auf 1,4511 Dollar, ein Minus von 2,1 Prozent. Das war die plötzliche Korrektur eines monatelangen Preisauftriebs. Mit den steigenden Rohstoffwerten war auch die europäische Währung fast kontinuierlich gegenüber dem Dollar gestiegen - trotz der Sorgen um die zerrütteten Staatshaushalte von Griechenland, Irland und Portugal.

Ab Donnerstag kehrte sich der Trend abrupt um, je stärker der Euro fiel, desto stärker gaben auch die Rohstoffpreise nach. Grund für die Tandembewegung ist, dass Rohstoffe in Dollar gehandelt werden. Verteuert sich die US-Währung, steigen die Rohstoffkosten außerhalb der USA, was tendenziell die Nachfrage dämpft und den Preis drückt.

Viele Investoren hatten damit gerechnet, dass die Rohstoffrally nicht ewig weitergehen würde. Gewinnmitnahmen waren erwartet worden. Das mag ein Grund dafür sein, dass die Anlegerflucht zunächst nicht in vollem Umfang auf die Aktienmärkte übergriff. In Frankfurt schloss der deutsche Aktienindex Dax sogar leicht im Plus. In New York verbuchte der Dow- Jones allerdings einen Verlust von mehr als einem Prozent. Erwartungsgemäß zählten Ölkonzerne wie Chevron und Exxon Mobil zu den stärksten Verlierern.

Seit Jahresbeginn hatten sich alle erdenklichen Rohstoffe drastisch verteuert, getrieben vor allem durch den schwachen Dollar und der Hoffnung auf ein rasantes globales Wachstum. Die hohen Preise für Lebensmittel wie Zucker, Kakao und Mais hatten vor allem die Entwicklungsländer alarmiert. Sie befürchteten Hungersnöte und Unruhen. Diese Gefahr ist noch nicht gebannt. Denn der Preissturz könnte nur eine Atempause sein, falls Rohstoff-Spekulanten die gefallenen Kurse nun zum Einstieg nutzen.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB