Anlegerskandal Gründer von P&R in U-Haft

Von 1,6 Millionen Containern, die P&R an rund 54 000 Anleger verkauft hatte, sollen nur 618 000 existiert haben.

(Foto: REUTERS)
  • Der Eigentümer der Anlegerfirma P&R sitzt in Untersuchungshaft. Das teilte die Staatsanwaltschaft München mit.
  • P&R hatte Schiffscontainer an Zehntausende Anleger verkauft. Ein großer Teil der Container soll allerdings nie existiert haben.
  • Der Fall gilt schon jetzt als einer der größten Anlegerskandale in der Geschichte der Bundesrepublik.

Der Gründer des insolventen Container-Vermieters P&R sitzt in Untersuchungshaft. Heinz R. sei am Mittwoch festgenommen worden, sagte die Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Die Ermittler legen R. Anleger-Betrug zur Last, vermutlich in Milliardenhöhe. Die Pleite der Firma aus Grünwald gilt schon jetzt als einer der größten Anlegerskandale in der bundesdeutschen Geschichte. Der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Michael Jaffé, hatte aufgedeckt, dass von 1,6 Millionen Containern, die P&R an etwa 54 000 Anleger verkauft hatte, nur 618 000 existierten.

Heinz R., der 2016 wieder die Geschäftsführung übernommen hatte, half Jaffé in den ersten Monaten nach der Pleite noch bei der Aufklärung. Die Staatsanwaltschaft sieht bei ihm aber Flucht- und Verdunkelungsgefahr.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst schätzt den Schaden durch die nicht existenten Container auf 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Strafrechtlich könne auch eine Rolle spielen, dass P&R nur einem Bruchteil der Investoren Zertifikate über den Besitz eines bestimmten Containers ausgestellt hatte. Ohne das Zertifikat seien die Anleger womöglich nie - wie versprochen - Eigentümer eines Containers geworden, den P&R vermeintlich lukrativ an Reedereien und Leasingfirmen weitervermietet hatte, sagte der Oberstaatsanwalt. Laut Insolvenzverwalter Jaffé lassen sich nicht einmal die vorhandenen Zertifikate einzelnen Containern zuordnen.

Anleger hatten zuletzt 3,5 Milliarden Euro in P&R-Container investiert

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt bereits seit Mai gegen mehrere ehemalige P&R-Manager, darunter auch Heinz R. Zwei frühere Geschäftsführer sind in der Zwischenzeit verstorben.

Anleger hatten zuletzt insgesamt 3,5 Milliarden Euro in P&R-Container investiert. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dürfte es sich um den größten Anlegerbetrug in Deutschland handeln. Zeitweise galt P&R als größter Schiffscontainer-Vermieter der Welt. Jahrelang sei das Unternehmen wohl tatsächlich sehr erfolgreich gewesen. Zu einem noch nicht feststehenden Zeitpunkt sei das Geschäftsmodell aber "in Betrug umgeschlagen". Laut Insolvenzverwalter Jaffé hatte sich die Lücke zwischen vermieteten und tatsächlich vorhandenen Containern seit 2007 immer weiter vergrößert, weil P&R das frisch eingeworbene Geld verwendet habe, um die Altanleger zu bedienen.

P&R hatte im Frühjahr Insolvenz angemeldet und damit zahlreiche Anleger schockiert.

Mehr als zwei Milliarden Euro - einfach weg

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