Pierer attackiert Siemens und US-Behörden "Verstöße gegen rechtsstaatliche Grundsätze"

Protest à la Pierer: In der Siemens-Schmiergeldaffäre weist der Ex-Konzernchef die Vorwürfe der US-Behörden gegen ihn zurück. Er sei nicht angehört worden.

Von Klaus Ott

Eine Seite lang ist die Erklärung, mit der sich Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer nach schweren Vorwürfen gegen ihn am Montag zu Wort gemeldet hat. Es ist ein Dokument des Zerwürfnisses zwischen dem langjährigen Vorstandschef und der neuen Konzernführung. Pierer wirft seinem ehemaligen Arbeitgeber vor, die US-Behörden im Korruptionsfall einseitig informiert zu haben.

Abrechnung mit Siemens: Ex-Vorstandschef und Ex-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer.

(Foto: Foto: ddp)

Der Ex-Konzernchef schreibt, er habe in der Vergangenheit alle Vorwürfe, die ihn beträfen, gegenüber Siemens "mit Nachdruck zurückgewiesen". Seine Darstellungen seien jedoch von Siemens offensichtlich nicht in das Verfahren vor den US-Behörden eingeführt worden. "Die US-Behörden haben sich folglich nur auf einseitig durch die Siemens AG übermittelte Angaben gestützt," so Pierer. Er selbst sei an dem Verfahren in den USA nicht beteiligt gewesen und dort auch nicht angehört worden.

Abschließend schreibt Pierer: "Die Verstöße gegen rechtsstaatliche Grundsätze und die öffentlichen Verurteilungen durch bestimmte Medien haben ein schwer erträgliches Ausmaß angenommen." Er setze darauf, dass "am Ende der Verfahren die wirklichen Sachverhalte aufgeklärt sein werden".

Detailreiche Vorwürfe

Das US-Justizministerium wirft Pierer und weiteren früheren Siemens-Vorständen vor, massiven Hinweisen auf Korruption nicht nachgegangen zu sein und nicht genug gegen mutmaßliche Gesetzesverstöße unternommen zu haben.

Diese Anschuldigungen enthalten zahlreiche Details, die sich weitgehend mit den Vorwürfen von Siemens gegen Pierer und andere Ex-Vorstände decken. Siemens verlangt Schadenersatz. Pierer schreibt, den gegen ihn seitens Siemens erhobenen Vorwürfen sei er, soweit sie ihm bekannt seien, "ausführlich entgegengetreten". Er habe diese Vorwürfe, "sofern es überhaupt einen konkreten, nachvollziehbaren Sachvortrag durch die Siemens AG gegeben hat, mit Nachdruck zurückgewiesen".