Ostausschuss Zahlenmensch statt Schulterklopfer

Stabwechsel im Ostausschuss der deutschen Wirtschaft: Der frühere Daimler-Manager Klaus Mangold wird von Metro-Chef Eckard Cordes abgelöst. Der Unterschied zwischen beiden ist erheblich.

Von Karl-Heinz Büschemann

Dem 67-Jährigen ist anzumerken, dass ihm die Aufgabe am Herzen lag. Zehn Jahre lang war Klaus Mangold der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, also so etwas wie der Außenminister der deutschen Unternehmen in Osteuropa, in Russland und den zentralasiatischen Ländern, die früher zur Sowjetunion gehörten. Und dabei pflegte er seinen eigenen Stil. Der Schwarzwälder hat oft mehr mit hemdsärmeligen Methoden für die Kontaktpflege zwischen Ost und West gewirkt als mit den klassischen Mitteln der Diplomatie.

Klaus Mangold (links) in seiner Funktion als Vorsitzender des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft. Hier besucht er im Jahr 2006 mit dem damaligen Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, eine Ausstellung russischer Künstler in München.

(Foto: dpa)

An diesem Donnerstag übergibt er den Posten des Türöffners für Geschäfte an Eckhard Cordes. Kanzlerin Angela Merkel wird ihm auf einem illustren Empfang im Berliner Hotel Adlon Worte des Dankes sagen, und man darf annehmen, dass Klaus Mangold die Anerkennung freuen wird. Er wird vermutlich schmunzeln und das Lob der Kanzlerin für berechtigt halten.

Wer ihn in diesen Tagen nach seiner persönlichen Bilanz fragt, dem kann Mangold ohne zu zögern aufzählen, was er in seiner Amtszeit für gelungen hält. Er habe an der Öffnung Russlands zur Marktwirtschaft mitwirken können, sagt der frühere Chef des Versandhauses Quelle, der später, von 1995 bis 2003, im Daimler-Vorstand saß.

Eher ein Pragmatiker

"Heute steht nicht mehr in Frage, dass Russland ein Teil Europas ist." Es sei ihm gelungen, Länder wie Kasachstan, Usbekistan oder Turkmenistan als zuverlässige Rohstofflieferanten Deutschlands zu gewinnen. Er rechnet sich auch ein paar Verdienste dafür zu, dass die baltischen Staaten sich problemlos in die EU integriert hätten.

Als Vorsitzender des Ostausschusses folgte Mangold dem legendären Otto Wolff von Amerongen, der diese Funktion 45 Jahre lang ausübte und der mit viel diplomatischem Geschick die ersten Löcher in den Eisernen Vorhang bohrte.

Wolff fädelte jenen Handel mit der Sowjetunion ein, der Deutschland riesige Mengen Erdgas brachte und den Russen Tausende Kilometer Mannesmann-Röhren zum Bau von Pipelines. Wolff trat stets wie ein Staatsmann auf, sein Nachfolger Mangold wirkte dagegen eher pragmatisch und menschennah. Ihm machte es nichts aus, sich im Umgang mit russischen Oligarchen oder dem Staatspräsidenten auch einmal rustikal zu zeigen.

Man möchte nicht wissen, wie viele Flaschen Wodka der Vormann der deutschen Wirtschaft im Kreml vernichten musste. "Man kann nur erfolgreich sein, wenn man mit dem Herzen dabei ist", ist Mangolds Rezept. Das Ergebnis der Kontaktpflege ist beachtlich: Nur wenige Deutsche sind in Russland so gut verdrahtet wie Mangold. Kaum jemand kann politische und wirtschaftliche Entwicklungen in dem Riesenreich so gut erklären wie er. Und Mangold wirkt für viele Unternehmen, die auf dem Weg nach Russland sind, auch als Berater.

"Gut gemacht"

"Der hat die Aufgabe gut gemacht", sagt ein führender Manager der deutschen Wirtschaft über Mangold. Manchen ist er dabei mit seiner jovialen Art auch auf die Nerven gegangen. Viele störten sich daran, dass sich Mangold, der aus der Großindustrie kam, im Ostausschuss vornehmlich für die großen Konzerne engagierte.

Kleinere und mittlere Unternehmen fühlten sich nicht gut durch ihn vertreten, so dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) die Unterstützung des Ostausschusses 2006 frustriert einstellten. Mangold focht das nicht an. Der Hobby-Jäger und -Winzer genoss es weiter, als Strippenzieher in Ost und West ein begehrter Gesprächspartner zu sein.

Sein Nachfolger Eckard Cordes wird sich in die komplexen deutsch-osteuropäischen Beziehungen schnell einarbeiten, glauben seine Unterstützer. Der größte Unterschied zu Mangold wird aber sein, dass Cordes ein Mensch ist, dem schulterklopfende Kumpanei fremd ist. Nicht umsonst ist der Chef des Handelkonzerns Metro, der früher wie Mangold im Daimler-Vorstand saß, als ein Zahlenmensch bekannt. Dennoch war Cordes, der Ende November 60 Jahre alt wird, "die erste Wahl für diese Aufgabe", heißt es im BDI.

Große Expansion geplant

Der Grund ist, dass Cordes für den Metro-Konzern in Russland und Osteuropa eine große Expansion plant. Es sei von Vorteil, dass Cordes als Metro-Chef ein starkes Eigeninteresse an Osteuropa habe, heißt es. Positiv sei auch, dass Cordes ein noch aktiver Manager ist. Der Chef des Ostausschusses dürfe kein Frühstücksdirektor sein, meint ein Verantwortlicher im BDI. "Der braucht Stimme, Gewicht und Persönlichkeit". Das mache die Arbeit bei den Regierenden und Managern auf beiden Seiten leichter.

Cordes hat schon die erste Gelegenheit genutzt, sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten, obwohl er erst am heutigen Donnerstag in Berlin zum Vorsitzendes des Ostausschusses gewählt wird. Er begleitete neben anderen deutschen Managern Bundespräsident Christian Wulff auf dessen Reise nach Russland.

Mancher in Russland wird sich erst daran gewöhnen müssen, dass Cordes einen ganz anderen Umgang pflegt als sein Vorgänger. Vielleicht gelingt ja dem Metro-Mann Cordes, was sein umtriebiger Vorgänge nicht schaffte: Nämlich das noch immer bestehende Misstrauen zwischen Russland und Deutschland in ein Vertrauensverhältnis zum beiderseitigen Nutzen zu verwandeln.