Ökonom Daniel Gros zur Jugendarbeitslosigkeit:"Da liegt noch einiges im Argen"

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Was brauchen die arbeitslosen Jugendlichen Ihrer Meinung nach?

Strukturen, die langfristig wirken. Zum Beispiel muss die Ausbildung Jugendlicher verbessert werden. So bekämen die jungen Leute dann auch leichter einen Job. Die Strukturen in den besonders problematischen Ländern müssten sich verändern. Etwas anderes sind Traditionen. In den Niederlanden ist es etwa üblich, dass alle Studenten nebenher jobben. In anderen Ländern ist das anders. Das sollte man einfach akzeptieren, da ist nicht das eine besser als das andere.

An welchen Punkten sollte die Politik stattdessen ansetzen?

Die Kernfragen lauten: Wie gut ist das Ausbildungssystem und wie gut ist es mit den Bedürfnissen der Wirtschaft verzahnt? Da liegt noch einiges im Argen, gerade in den Südländern. Dort war es bislang üblich, dass Jugendliche entweder eine ungelernte Arbeit hatten oder - diejenigen aus wohlhabenderen Familien - auf die Universität gingen. Dazwischen gab es nichts, zumindest nichts Solides, was das duale System verspricht. So etwas zu schaffen ist sehr, sehr schwer und langwierig.

Wie viel kann die EU überhaupt dazu beitragen, die Strukturen zu verändern?

Das müssten vor allem die Länder selbst erledigen. Es ist Aufgabe der lokalen Behörden. Europa kann kein duales System in Thessaloniki einführen.

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