Naturschutzbund Wegwerfflaschen-Lobby verdient sich Dino-Preis 2013

Trotz höherem Pfand auf Getränkedosen und Einwegflaschen: Die Mehrwegqoute liegt unter 50 Prozent.

Was, glauben Sie, macht der "Bund Getränkeverpackungen der Zukunft"? Er setzt sich für Wegwerfflaschen aus Plastik ein - die keinesfalls Zukunft haben sollten, kritisiert der Naturschutzbund und vergibt dafür jetzt den Dinosaurier-Preis 2013.

Von Markus Balser

Einweg oder Mehrweg - ob im Einkaufswagen Wegwerfflaschen gelandet sind, erkennen Verbraucher meist erst bei der Rückgabe am Pfandautomaten im Supermarkt. Knackt und knirscht es im Bauch des Monstrums, wird die Flasche geschreddert und eingeschmolzen. Bleibt es leise, wird sie zum Waschen transportiert - und landet neu befüllt wieder im Regal.

Doch schon seit einigen Jahren knackt es in Deutschland immer öfter - zum Ärger von Umweltschützern, die das Wegwerfsystem für wachsende Umweltprobleme verantwortlich machen. Einwegflaschen und Dosen verschwendeten Rohstoffe und heizten das Klima an, kritisieren Ökoverbände. Die Getränkeindustrie ahnte offenbar, dass Streit droht und gründete im Herbst einen neuen Lobbyverband, den Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ). Das Ziel: Mit dem Verband das eigene Image aufpolieren.

Einweg als lukratives Geschäft

Doch die Sache geht nach hinten los: Denn der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat seinen Öko-Negativpreis in diesem Jahr an das Bündnis für Einwegverpackungen verliehen. Der "Dinosaurier des Jahres 2013" gehe an den Geschäftsführer des BGVZ, Wolfgang Burgard, teilte der Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Freitag mit. Hinter dem Verband steckten Hersteller und Händler, die ausschließlich auf Einwegverpackungen setzen und damit regionale Abfüller, die meist Mehrwegflaschen anbieten, wirtschaftlich unter massiven Druck setzen. Dazu gehörten die Discounter Aldi und Lidl, das Handelsunternehmen Lekkerland, die Getränkehersteller, Pepsi Cola und Red Bull sowie die Dosenproduzenten Ball und Rexam.

Schon der Name "Bund Getränkeverpackungen der Zukunft" deute auf Verbrauchertäuschung hin, so Tschimpke. "Hier geht es um knallharte wirtschaftliche Interessen auf Kosten der Umwelt." Geschredderte Einwegpfandflaschen würden den Einzelhandelsunternehmen pro Tonne 250 bis 400 Euro einbringen. Das seien allein 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Hinzu komme der Gewinn durch nicht zurückgegeben Einwegpfandflaschen.

Kein Mehrwegbewusstsein trotz Pfandpflicht

Vor zehn Jahren hatte die Bundesregierung das Dosenpfand eingeführt. Ihr Ziel: Verbraucher sollten zu mehr Umweltschutz gebracht werden - mit 25 Cent je Dose. Das Pfand für Einwegflaschen ist genauso hoch. Andere Flaschen kosten zwischen acht und 15 Cent. Doch das Verpackungssystem laufe trotz des Pfands auf Flaschen und Dosen in Deutschland in die falsche Richtung, warnt Tschimpke.

Seit 2008 würden mehr Einwegverpackungen als Mehrweg verkauft, die Mehrwegquote liege unter 50 Prozent. Gesetzlicher Zielwert bei Einführung der Pfandpflicht vor zehn Jahren waren 80 Prozent. Zum Umsteuern fordert der Nabu eine lenkende Umweltsteuer auf alle Getränkeverpackungen, differenziert nach Klimaschädlichkeit.

Mit dem Preis zeichnet der Verband seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die dem Umweltschutz einen Bärendienst erweisen. Zu den Trägern gehören Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Ex-RWE-Chef Jürgen Großmann.