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Nachhaltige Geldanlage:Grün bis in die Spitze

Windrad im Sonnenaufgang

Wind- und Sonnenenergie sind nachhaltig, aber für Anleger können solche reinen Themenfonds riskant sein.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Nachhaltige Geldanlage wird für Banken immer wichtiger. Auch die Politik übt hier starken Druck aus. Hierzulande haben die meisten Finanzinstitute aber noch großen Nachholbedarf - auch im Private Banking.

Von Katharina Wetzel

Geld in ein soziales Projekt in Afrika investieren, grüne Fonds kaufen und ein paar Hektar Wald dem Portfolio beimischen: Wer sich als Vermögender im Private Banking grün, ethisch oder sozial engagieren will, kann sich austoben. Neben technologischen Entwicklungen treibt kaum ein Thema die Finanzbranche so sehr um wie die nachhaltige Finanzierung und Geldanlage.

Sustainable Finance, wie dies im Fachjargon heißt, wird für Banken immer wichtiger. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Produkten und Finanzinstrumenten auf dem Markt. Dies ist aber nicht allein auf die gestiegene Nachfrage vermögender Kunden zurückzuführen oder gar auf den guten Willen der Finanzinstitute. Vielmehr helfen neue EU-Verordnungen dabei, nachhaltige Finanzpapiere besser zu deklarieren und Investitionen in entsprechend grüne Projekte zu lenken: "Der politische Druck ist immens", sagt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Als reiner Marketingposten kann das Thema also nicht mehr behandelt werden. Es ist nun für Banken wirklich ernst.

Länder wie die Niederlande, die skandinavischen Länder sowie die Schweiz sind in Sachen nachhaltiger Finanzierung schon weiter. "Deutschland ist ziemliches Schlusslicht. Weder Privatbanken, Sparkassen noch Volksbanken haben das Thema bisher voran getrieben", sagt Faust. Auch im Private Banking ist man in der nachhaltigen Vermögensverwaltung anderswo bereits besser aufgestellt.

Das Potenzial ist noch groß. Laut der Schweizerischen Bankiervereinigung wurden 2018 in der Schweiz nachhaltige Vermögenswerte in Höhe von rund 720 Milliarden Schweizer Franken verwaltet. Dies entspricht rund 21 Prozent des Gesamtbetrags der in der Schweiz verwalteten Vermögenswerte. Kürzlich hat die Bankiervereinigung nochmals eindrücklich ihre führende Rolle in dem Bereich betont. Eine Vorreiterrolle im Bereich sustainable finance will beispielsweise die feine Genfer Privatbank Lombard Odier einnehmen. Im Rahmen einer fünfjährigen Partnerschaft finanziert die Bank den ersten Lehrstuhl für sustainable finance an der Universität Oxford. Durch das Engagement mit der Spitzenuniversität erhofft sich Lombard Odier neben einem Imagegewinn auch mehr Expertise, einen intensiven Austausch sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre Anlagespezialisten.

Bald wird auch hierzulande mehr Bewegung in das Thema kommen, ist sich Wissenschaftler Faust sicher. "Künftig werden Kunden in der Bankberatung nicht nur nach ihrer Risikoneigung gefragt, sondern auch, ob sie nachhaltig investieren wollen", sagt Faust. Ab 2021 könnten dementsprechende EU-Verordnungen in Kraft treten. Ende Juli hat bereits die Deutsche Bank Kriterien für die Einstufung von ESG-Finanzierungen vorgestellt. ESG steht dabei für environmental, social und corporate governance, also Umwelt, Soziales und Gründsätze der Unternehmensführung.

Abgesehen von einzelnen Instituten wie die GLS Bank oder die Ethikbank, beraten Finanzinstitute eher selten zu nachhaltiger Geldanlage und Finanzierung. Denn das Geschäft ist aufwendig, zudem fehlt vielen Bankberatern schlicht das Wissen in dem noch relativ jungen Finanzbereich. Der Druck durch gesellschaftliche Bewegungen wie Fridays for Future und politische Regeln zwingen die Häuser jedoch nun zum Handeln. Zudem achteten auch institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen stärker auf das Thema Nachhaltigkeit: "Viele Vorstände überlegen derzeit, wie sie sich positionieren wollen. Das gesamte Geschäftsmodell muss überdacht werden", sagt Faust.

Sich früh nachhaltig auszurichten, kann für Banken ein Wettbewerbsvorteil sein. Doch ob sich auch die Erträge steigern lassen, ist derzeit unklar. Auch im Geschäft mit den vermögenden Kunden ist der Wettbewerb groß. Selbst wenn sich Gebühren für grüne Produkte etwas nach oben schrauben lassen, steigen aufgrund des höheren Aufwands auch die Ausgaben, wie etwa für die Mitarbeiterschulung. Kunden zu binden und neue zu gewinnen, dürfte aber mit einer nachhaltigen Geschäftsphilosophie deutlich einfacher sein. "Banken, die nicht nachhaltig wirtschaften, werden an Reputation verlieren", warnt Faust.

Durch die Corona-Pandemie hat sich zudem möglicherweise das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Verbrauchern und Unternehmen gestärkt. Dies könnte die Entwicklung beschleunigen. Fluggesellschaften und Energieversorger stellen mittlerweile in der Kreditbilanz der Banken einen unsicheren Posten dar. Doch so einfach wird diese nachhaltige Transformation nicht gelingen - auch wenn die Politik nun gehörigen Druck ausübt und Regeln im Schnellverfahren umsetzen will. Derzeit werden bereits weitere Lenkungsmaßnahmen diskutiert. So sind eine höhere Eigenkapitalunterlegung für Kredite, die nicht nachhaltig sind sowie Boni für grüne Darlehen derzeit im Gespräch, sagt Faust. Doch was ist Nachhaltigkeit? Je enger die Kriterien für einen nachhaltigen Fonds gefasst sind, desto riskanter ist das Produkt in der Regel für den Anleger. Fraglich ist, ob es der Politik gelingt, mehr Transparenz in die nachhaltige Finanzierung und Geldanlage zu bringen: "Meine große Sorge ist, dass die Politik bis ins letzte Detail alles regeln will. Ob noch umfangreichere Dokumente dem Anleger nützen, bezweifle ich", sagt Faust. Im Geschäft mit vermögenden Kunden dürfte der Anspruch an die Berater also noch steigen.

© SZ vom 23.09.2020
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