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Nach langer Deflation:Japans Inflation steigt auf 15-Jahres-Hoch

A man looks at the prices of tickets at a ticket shop in Tokyo

Ein Ticketshop in Japans Hauptstadt Tokio

(Foto: REUTERS)

Endlich werden die Dinge wieder teurer: Japan freut sich über die höchste Inflationsrate seit 1998, denn seit dem "verlorenen Jahrzehnt" wurde alles immer billiger. Experten fürchten aber, dass die Teuerung nicht lange anhält.

Japan freut sich über steigende Preise. Klingt merkwürdig, ist aber so. Denn das Land kämpft seit 15 Jahren mit Deflation - mit fallenden Preisen, die die Wirtschaft des Landes massiv behindern. Frische Lebensmittel und Energie herausgerechnet, stieg die Inflationsrate im November auf 0,3 Prozent. Es ist der höchste Stand seit 1998. Inklusive Energiepreise, die oft die Inflation treiben, liegt die Rate bei 0,9 Prozent - ein Fünf-Jahres-Hoch.

Das Land kämpft seit seinem "verlorenen Jahrzehnt" in den Neunzigern mit zu niedrigen Preisen, der Deflationsspirale: Weil die Japaner fallende Löhne und weiter fallende Preise erwarteten, kauften sie weniger ein; deshalb waren Fabriken nicht ausgelastet und Firmen mussten die Preise weiter senken. Was wiederum zu weiter fallenden Preisen und Löhnen führte. Der Kreislauf begann stets aufs neue, das Land sehnte sich nach etwas Inflation.

Die japanische Regierung von Premier Shinzo Abe und die Notenbank dürften sich durch die neuen Daten bestätigt fühlen. Vor einem Jahr hatten sie das Ziel ausgegeben, die Preissteigerung auf zwei Prozent anzuheben. Dafür hat die Bank of Japan den Markt mit Geld geflutet und für Billionen von Yen Staatsanleihen von Banken aufgekauft. Das Geld der Zentralbank sollte sie zu mehr Investitionen animieren. Die Regierung stützte die Wirtschaft des Landes mit weiteren Billionen.

Die aktuellen Preissteigerungen sind vor allem Folge eines schwachen Yen, ausgelöst durch die lockere Geldpolitik der Notenbank. Der fallende Währungskurs hat die Kosten für Benzin und andere Importe in die Höhe getrieben. Nun fürchten allerdings viele, dass dieser Effekt nachlassen könnte und weitere Preissteigerungen ausbleiben. Selbst in der Notenbank herrschen Zweifel, ob die Inflationsrate von zwei Prozent wie geplant bis Mitte 2015 zu erreichen ist.

Einige Notenbanker sind besorgt, weil eine schwächere Nachfrage aus dem Ausland und zu geringe Lohnsteigerungen in Japan selbst die Wirtschaft des Landes schwächen könnten. Zudem erhöht die Regierung die Mehrwertsteuer im kommenden Jahr von fünf auf acht Prozent.

"Wenn die Löhne wie erwartet nicht deutlich steigen und der negative Effekt der steigenden Mehrwertsteuer größer ist, als es die Politik momentan erwartet, wird es schwierig, die Inflationsrate langfristig entscheidend zu steigern", sagte Ökonom Kiichi Murashima der Financial Times.

© Süddeutsche.de/Reuters/bero/jab
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