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(N)onliner-Atlas 2007 vorgestellt:"E-Mail-Adresse bald so wichtig wie Bankkonto"

Die Initiative D21 von Bundesregierung und Wirtschaft hat in Berlin den (N)onliner-Atlas 2007 vorgestellt. Ergebnis: Immer weniger ältere Menschen sind zwar noch offline, doch die Verweigerer sind störrisch. Sie könnten sich bald vom sozialen Leben abgekoppelt sehen.

Die Generation 50plus weiß ziemlich genau, was sie von einem passablen Onlinezugang erwartet: schnell sollte er sein, unkompliziert und auf keinen Fall so ein Oma-und-Opa-Gerät mit extragroßen Tasten.

Seniorin surft im Internet-Café.

(Foto: Foto: ddp)

Dieses Bild zeichnet zumindest der neue "(N)onliner-Atlas 2007", den heute die Initiative D21 von Bundesregierung und Wirtschaft in Berlin vorgestellt hat.

Mit der einfachen Bedienung hapert es zwar noch, aber schnell ist das Internet dank DSL inzwischen geworden. Und die Tasten sind auch nicht größer geworden.

Die Älteren wissen das offenbar zu schätzen. Von den 1,4 Millionen Menschen, die sich im vergangenen Jahr ihre ersten Internetzugang haben legen lassen, gehören knapp die Hälfte zur Generation 50plus.

Ein Drittel der Neuzugänge sind über 60 Jahre

Nahezu ein Drittel dieser Neuzugänge in der Online-Welt sind über 60 Jahr alt. Inzwischen ist bei diesen Neu-Onlinern der Anteil der über 50-Jährigen mit 27 Prozent etwa genauso groß, wie der Anteil der jungen Menschen in der Altersgruppe 14 bis 29.

Knapp 60 Prozent der Menschen über 50 sind zwar immer noch offline. Aber die Zahl nimmt stetig ab. Ein Problem könnten deshalb bald jene bekommen, die weiter auf einen Internetzugang verzichten wollen.

Laut (N)onliner-Atlas geben immerhin 82,6 Prozent der Online-Verweigerer an, sie hätten das Internet bisher nicht gebraucht und werden auch weiter ohne auskommen.

Die Bedürfnisse Älterer im Netz

"Diese Gruppe könnte sich bald vom sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben abgekoppelt wiederfinden", warnt Birgit Kampmann vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld, das sich auch um die Bedürfnisse Älterer im Netz kümmert.

Der Grund ist einfach: Irgendwann werden sich die heutigen Doppelstrukturen für die Unternehmen nicht mehr lohnen. Heute werden Briefe noch per Post, immer öfter aber per Mail verschickt. Heute unterhalten viele Unternehmen noch flächendeckende Filialnetze und bauen aber zugleich ihre Internetpräsenz aus.

Aus Sicht der Unternehmen gibt es nur wenig, was sich nicht effizienter und kostengünstiger auch online erledigen ließe. Zumal dann, wenn die Zahl der Offliner immer kleiner wird.

Bei der Behörde, ohne vorzusprechen

Das gilt umso mehr für die Behörden. Bundesregierung und Länder arbeiten seit Jahren daran, dass Steuererklärungen, Meldeangelegenheiten oder Kfz-Anmeldungen ohne persönliches Vorsprechen online erledigt werden können. "Eine eigene E-Mail-Adresse wird bald so wichtig wie das persönliche Bankkonto", sagt Birgit Kampmann.

Wohl dem, der sich bis dahin zu den Onlinern zählen kann. Im aktuellen (N)onliner-Atlas hat die Zahl der Internetnutzer erstmals die 60-Prozent-Marke geknackt, Tendenz steigend. Aber: "Einen harten Kern von Offlinern wird es immer geben", sagt Bernd Bischoff, Präsident der Initiative D21 und Chef von Fujitsu Siemens Computers.

"Höchstens 20 Prozent bleiben offline"

Reinhold Horstenmann von TNS-Infratest, das die Studie mit knapp 50.000 Befragungen durchgeführt hat, schätzt, dass dauerhaft höchstens 20 Prozent der Deutschen offline bleiben werden.

Leicht scheinen die nicht zu überzeugen sein. Was denn wäre, wenn es einen wirklich einfach zu bedienenden Computer gäbe, einen sogenannten "Best-Ager-PC", wollte Fujitsu-Siemens-Chef Bischoff wissen und ließ den (N)onliner-Atlas in seiner siebten Auflage um ein entsprechendes Kapitel erweitern. Das Ergebnis: 90,6 Prozent der Offliner über 50 wollten sich davon nicht ins Internet locken lassen.

Birgit Kampmann sieht die Herausforderung weniger auf der technischen als auf der inhaltlichen Seite. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder den Offlinern wird klar, dass es ohne Internet gar nicht mehr geht, weil die letzte Postfiliale im Dorf gerade dicht gemacht hat und die Bank ohnehin jede Service-Bitte mit Verweis auf die Online-Filiale beantwortet.

Spezielle Antworten auf spezielle Probleme

Oder sie stellen fest, dass es für ihre speziellen Probleme, etwa eine Krankheit, im Internet auch spezielle Antworten gibt, nach der sie in der Offline-Welt lange Zeit ohne Erfolg gefahndet haben.

Auch hier zeigt sich: Der Internetzugang ist kein Wert an sich. D21-Präsident Bischoff sieht deshalb in der Fortbildung eine wichtige Zukunftsaufgabe. Denn: "Entscheidend ist nicht, einen Internetzugang zu haben. Entscheidend ist, wie er genutzt wird."