Motorräder Männlich, 50, erfolgreich

"Wir müssen aufhören, nur Motorräder zu bauen - wir müssen neue Fahrer gewinnen", sagte Harley-Chef Levatich jetzt nicht ohne Pathos: "Wir müssen uns auf die Suche machen nach Menschen, die sich nach Freiheit und Abenteuer sehnen, die das Leben leben wollen, die hinter ihren Smartphones hervorkommen und raus auf die Straße wollen. Millennials kaufen oft gebrauchte Motorräder. Wir müssen sie davon überzeugen, dass sich die Anschaffung eines neuen Modells lohnt."

Die Neuregistrierung größerer Motorräder ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um sieben Prozent zurückgegangen, nicht einmal drei Prozent aller Amerikaner besitzen überhaupt noch ein Motorrad. Harley-Davidson steckt in der Zwickmühle. Die Firma muss einerseits mit traditionellen Maschinen die Stammkundschaft - männlich, 50, erfolgreich - bei Laune halten, andererseits mit moderneren Modellen auch jüngere Kunden begeistern. Levatich sagt: "Von den Modellen, die wir in diesem Jahr auf den Markt gebracht haben, richtet sich der Roadster an jüngere Leute, der Street Rod ist ebenfalls finanzierbar." Insgesamt bietet das Unternehmen nun acht Modelle an, die weniger als 12 000 Dollar kosten.

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Sie tuckert nicht, sie surrt

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Es gibt natürlich eine zweite Möglichkeit, ein jüngeres Publikum anzusprechen, ohne die eigene Marke umkrempeln zu müssen. Harley-Davidson könnte den italienischen Motorradherstellers Ducati übernehmen, der noch zu VW beziehungsweise Audi gehört. Bislang hat VW mögliche Verkaufsabsichten offiziell noch nicht bestätigt. Auch die indische Fahrzeugfirma Bajaj Auto und einige Beteiligungsgesellschaften sollen interessiert sein, es heißt, dass es bis Ende Juli Gebote von bis zu 1,7 Milliarden Euro geben könnte.

Für Harley hätte ein Kauf große Vorteile: Ducati gilt als jung und sportlich, das Unternehmen konnte seinen Umsatz in den vergangenen zwei Jahren um insgesamt 13 Prozent steigern. "Das sind alles nur Gerüchte und Spekulationen, die ich nicht kommentieren möchte", sagte Levatich dazu: "Es gibt derzeit genug bei der Marke Harley-Davidson zu tun und damit, neue Fahrer zu gewinnen."

Levatich will aus Harley-Davidson wieder eine coole Marke machen. Er sollte vielleicht beim Handyhersteller Nokia oder beim Suchmaschinendienst Yahoo nachfragen, was einem Unternehmen passieren kann, wenn Menschen es plötzlich nicht mehr cool finden. Oder beim TV-Star Fonzie: Der stieg irgendwann um von seiner Harley auf eine 1949 Triumph Trophy 500, weil Schauspieler Henry Winkler eine kleinere, leichtere und einfacher zu handhabende Maschine haben wollte.

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