Möglicher Spotify-Börsengang Musik für Millionen

Spotify ist nicht nur im Netz vertreten, sondern beispielsweise auch bei der Advertising Week Europe am vorigen Wochenende in London.

(Foto: Getty Images for Advertising Wee)

Der Streaming-Dienst Spotify steht vor dem Börsengang, das schwedische Unternehmen soll viel Geld eingesammelt haben.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Daniel Ek gilt als scheu, Interviews gibt der Spotify-Chef selten. Eines der neueren stammt vom Stockholmer Start-up-Treffen "Sthlm Tech Fest" im vergangenen Jahr. Ob er komplett naiv gewesen sei oder einfach dumm, als er 2006 den Streaming-Dienst gründete, wird Ek da gefragt. "Ein bisschen von beidem, glaube ich", antwortet er trocken.

Der 33-Jährige, dessen meist schwarze Klamotten sein Gesicht noch blasser machen, wirkt nicht wie einer, der den erfolgreichsten Musik-Streaming-Dienst der Welt führt. Wie einer, der sich eben eine Milliarde Dollar geliehen hat, damit das auch so bleibt. Wenn man ihn über die Anfänge reden hört, bekommt man eher den Eindruck, er sei da so hineingestolpert. Schon mit 14 Jahren hat Ek Webseiten für schwedische Unternehmen gebaut, daraus sei dann "aus Versehen" eine Firma geworden, erzählt er. Und auch der Spotify-Erfolg hat ihn offenbar überrascht. Erfolgreiche Gründer, sagt Ek, wüssten meist nicht genau, warum die Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren. "Denn dann würden die meisten Menschen gar nicht tun, was sie tun."

Seit Apple ein ähnliches Angebot gestartet hat, wächst der Druck auf den Pionier

Spotify funktioniert ziemlich gut, inzwischen zahlen 30 Millionen Menschen monatlich dafür, dass sie auf der Plattform unbegrenzt Musik anhören können, mehr als bei jedem anderen Streaming-Dienst. Als Apple im vergangenen Juni mit Apple Music ein ähnliches Angebot startete, reagierte Ek demonstrativ gelassen. "Oh ok", schrieb er über den Nachrichtendienst Twitter, löschte den Tweet aber kurz darauf wieder. Apple konnte seit Juni bereits elf Millionen zahlende Abonnenten gewinnen. Anders als Spotify, bietet der Rivale aber keinen kostenlosen Stream, der durch Werbespots unterbrochen wird, an. Weitere Konkurrenten sind beispielsweise das Internet-Radio Pandora, der Musikdienst Soundcloud oder Deezer, der von sechs Millionen zahlenden Kunden berichtet. Es wird enger auf dem Streaming-Markt und die Schweden weiten die Suche nach neuen Nutzern aus. Seit dieser Woche gibt es Spotify auch in Indonesien, es ist der 59. Markt für den Anbieter. Der nächste Schritt scheint nun der an die Börse zu sein. Mehrere Medien berichteten in dieser Woche, dass das schwedische Unternehmen insgesamt eine Milliarde Dollar bei der Beteiligungsgesellschaft TPG, dem Hedgefonds Dragoneer und Kunden von Goldman-Sachs eingesammelt habe, knapp 900 Millionen Euro. Der Deal leitet demnach eine Art Countdown zum Börsengang ein: Das Wall Street Journal berichtete, die Investoren könnten ihre Schuldpapiere dann in Aktien umwandeln, und zwar mit einem Abschlag. Braucht Spotify für den Börsengang länger als ein Jahr, wird dieser Rabatt danach mit der Zeit immer größer. Anders gesagt: Je länger Daniel Ek braucht, um Spotify an die Börse zu bringen, desto teurer kann es für ihn werden. Der Wert seines Unternehmens wird derzeit auf mehr als sieben Milliarden Euro geschätzt.

Die bisherigen Investoren können ihre Schuldscheine in Aktien umwandeln

Bisher investiert Spotify Medienberichten zufolge immer noch mehr Geld, als es einnimmt. Die jüngsten Zahlen aus dem Unternehmen stammen von 2014, damals machte Spotify Verluste. Stress haben die Schweden zudem immer wieder mit Musikern, die ihre Songs dem kostenlosen Dienst nicht zur Verfügung stellen wollen oder die sich über zu niedrige Tantieme beklagen. Taylor Swift entfernte 2014 ihre Musik komplett aus dem Spotify-Katalog. Daniel Ek reagierte damals, indem er nüchtern vorrechnete, wie viel Geld Künstler wie Swift durch seinen Dienst verdienten. Der Spotify-Boykott lohnte sich für die Sängerin offenbar noch mehr, ihre Album-Verkäufe schossen in die Höhe. Andere folgten ihrem Beispiel. Adele etwa bietet ihr neues Album "25" weder bei Spotify an noch bei Apple Music. Und Jay-Z kaufte sich mit dem Spotify-Konkurrenten Tidal gleich seinen eigenen Streamingdienst.

Um Nutzer zu gewinnen, lässt sich Spotify immer wieder Neues einfallen, bietet nun auch Videoclips an und Musik, die sich beim Joggen an die Laufgeschwindigkeit des Hörers anpasst. Für Konzerne wie Apple sei Musik ein Hobby, hat Ek einmal gesagt, ein kleiner Teil ihres Geschäfts. Spotify dagegen konzentriere sich auf eine einzige Sache.