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Mitfahrzentrale:Blablacar-Kunden können bald nicht mehr bar bezahlen

Als die Konkurrenz Gebühren verlangte, wechselten viele der Nutzer zu Blablacar. Künftig soll es auch dort Gebühren geben.

(Foto: Blablabar)
  • Demnächst können Kunden bei Blablacar ihre Fahrten nur noch online zahlen. Das trifft vor allem jüngere Mitfahrer, die noch keine Kreditkarten besitzen.
  • Auch Absprachen mit dem Fahrer vor der Buchung werden künftig erschwert.

Von Jan Willmroth

Es ist mitunter recht hilfreich, wenn Unternehmen hohe Ansprüche formulieren, an denen man sie messen kann. Bei Blablacar klingt das so: "Angetrieben werden wir davon, Blablacar zur zuverlässigsten und geselligsten Art der Fortbewegung zu machen."

Die Online-Plattform aus Frankreich beherrscht den deutschen Markt für Mitfahrgelegenheiten. Damit sich mit deren Vermittlung auch irgendwann Geld verdienen lässt, will das Unternehmen in Kürze Gebühren einführen. Zuvor schafft Blablacar allerdings schrittweise das Bargeld ab: Nutzer können jetzt für Fahrten nördlich des Mains nur noch online per Paypal oder Kreditkarte bezahlen.

Bar zahlen am Ende der Fahrt? Nicht mehr lange!

So einfach wie gewohnt wird das Mitfahren und das Mitfahrer-Suchen zunächst nicht mehr sein. Seit mehr als zehn Jahrenlief das so: Eine Fahrt bei der Mitfahrzentrale eingestellt, am Freitag von Köln nach Berlin, und wenige Stunden später war das Auto besetzt und die Fahrtkosten auf ein Minimum reduziert. Die Mitfahrer zahlten meist in bar am Ende der Fahrt. Damit ist bald zumindest bei Blablacar Schluss.

Nicht wenige Nutzer sind darüber erzürnt. Mitfahrzentralen sind bislang vor allem bei jungen Menschen beliebt, die oft weder eine Kreditkarte noch ein Paypal-Konto besitzen. Zu reichlich Ärger führt auch eine weitere Neuerung: Mit dem neuen Bezahlsystem sehen Fahrer und Fahrgast ihre Kontaktdaten erst, wenn Letzterer verbindlich gebucht und bezahlt hat. Sich zuvor kennenzulernen oder kurzfristig abzusprechen ist dann nur noch über öffentlich sichtbare Fragen möglich.

Auf der Facebook-Seite von Blablacar ließen verärgerte Kunden in den vergangenen Tagen zum wiederholten Mal ihren Frust ab. "Das neue System ist eine Katastrophe. Die Kommunikation ist total kompliziert", schreibt eine Nutzerin. "Es gibt Leute, die nicht sofort reservieren und bezahlen wollen, da vorab noch einige Dinge geklärt werden müssen." Mit dem neuen System will Blablacar offenbar unterbinden, dass sich Nutzer außerhalb des Portals absprechen und so die Gebühren umgehen. "Selbstverständlich reagieren wir auf alle Anregungen aus unserer Community", schreibt Blablacar auf Anfrage. Die Facebook-Nutzer bildeten bei 10 Millionen Fahrten pro Quartal* nur einen Bruchteil der Nutzer ab. Man reagiere mit den Veränderungen auch auf einen vielfach geäußerten Wunsch aus der Community. Zusätzlich zur Zahlung per Kreditkarte und Paypal könnten Nutzer bald auch per Sofortüberweisung zahlen.

Die einzige Möglichkeit, das System zu Geld zu machen

Das Unternehmen geht mit der Umstellung ein hohes Risiko ein. Der ehemalige Marktführer Carpooling war damit gescheitert, Gebühren zu verlangen - die Nutzer waren damals von den deutschen Webseiten Mitfahrgelegenheit.de oder Mitfahrzentrale.de zu Blablacar abgewandert. Die französische Firma übernahm daraufhin den deutschen Konkurrenten und ist seit einem guten Jahr die einzige große Mitfahrzentrale in Deutschland. Blablacar schätzt, derzeit mehr als 90 Prozent der Mitfahrten abzuwickeln. Diese mächtige Stellung erklärt, warum man sich jetzt wieder an das Thema Gebühren heranwagt.

Eine andere Möglichkeit, das System zu Geld zu machen, bleibt dem Unternehmen kaum. Investoren haben Blablacar viele Millionen Euro gegeben. Anscheinend ist es nicht so leicht, Kunden und Investoren gleichermaßen zufriedenzustellen. Vor allem in einem Markt, in dem die Nutzer einfach zur nächsten kostenlosen Plattform wechseln können. "Die Plattform, die wir anbieten, soll Mitfahren zur ersten Wahl für jeden Reisenden in Deutschland machen, mit einem tollen Service, einfach in der Nutzung, zuverlässig", sagt Deutschland-Chef Olivier Bremer. Daran werden die Nutzer ihn messen.

*Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle hieß es früher, Blablacar vermittele 10 Millionen Fahrten pro Tag. Das ist falsch. Es sind 10 Millionen Fahrten pro Quartal.

© SZ vom 07.06.2016/hgn/vit

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