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Minuszinsen:Alternativen wählen

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Ein Wechsel des Girokontos ist leicht, die Suche aufwendig.

(Foto: Rainer Berg/imago)

Viele Verbraucher sind angesichts hoher Gebühren für Girokonten frustriert. Nun könnten auch noch Minuszinsen drohen. Ein Anbieterwechsel kann sich daher lohnen. Sparer sollten ihre Geldanlagen überprüfen und die Kosten vergleichen.

In Zeiten der Niedrigzinspolitik leiten viele Banken Negativzinsen als Gebühren an die Verbraucher weiter. Mit etwas Flexibilität können die Kunden den zusätzlichen Kosten ausweichen.

Es sind schon merkwürdige Zeiten, wenn Banken ihre Kunden dafür bezahlen lassen, dass diese ihnen zu viel Geld anvertrauen. Zwar haben Banken und Sparkassen in Deutschland nur zaghaft begonnen, ihre Kunden faktisch zu bestrafen. Doch der Trend scheint sich in diese Richtung zu entwickeln. "Zurzeit übernehmen die Banken diese Kosten für einen Großteil der Privatkunden. Es wird für Banken aber immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen die nachhaltige Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen", sagte Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bei der Bilanzpressekonferenz im Juli. In einer Umfrage der Bundesbank gab die Hälfte aller befragten Geldinstitute an, dass sie Negativzinsen prinzipiell als Möglichkeit betrachtet, um ihre Kosten auszugleichen. Das Finanzportal Biallo bekam derweil von bundesweit 170 Banken und Sparkassen Rückmeldung auf eine entsprechende Anfrage. 30 Geldhäuser gaben dabei an, sie würden bereits ein sogenanntes Verwahrentgelt für Privatkunden erheben. Bei Firmen- und institutionellen Kunden waren es sogar 111 Geldhäuser. Die Summe, ab der die Gebühr erhoben wird, variiert zwischen 100 000 und zwei Millionen Euro. Manchen Banken erheben die Gebühr auch individuell. Betroffen sind meistens Giro- und Tagesgeldkonten.

Privatkunden bleiben allerdings zahlreiche Alternativen, um dem Strafzins auszuweichen. Der Wechsel des Girokontos ist zum Beispiel leicht möglich, erfordert aber etwas Zeit für die Suche nach einer guten Alternative. Denn die Inhaber müssen stets in Betracht ziehen, welche Kosten für die Verwaltung des Kontos möglicherweise auf sie zukommen. Wer sich viel im Ausland aufhält, sollte auch prüfen, welche Gebühren anfallen, wenn man dort am Automaten Bargeld abhebt. Tagesgeldkonten lassen sich gleichermaßen schnell und unkompliziert kündigen und wechseln. Wichtig für den Verbraucher ist, dass er die Entwicklung der dortigen Zinsen im Auge behält. Denn theoretisch können sie sich auf einem Tagesgeldkonto täglich ändern. Weil die Bank eine Mindestsumme festlegt, ab der sie Negativzinsen erhebt, kann es auch eine Alternative sein, das eigene Kapital auf mehr als ein Konto bei mehreren Banken zu verteilen, raten Verbraucherschützer. Die Geldanlage auf einem Festgeldkonto bietet sich dann an, wenn der Kunde sicher ist, dass er sein Geld für einen bestimmten Zeitraum X nicht benötigt. Die Vorteile des Festgeldkontos sind die bei Abschluss vereinbarten Bedingungen. Die Banken können unabhängig von der Höhe der Einlage kurzfristig keine Gebühren darauf erheben. Allerdings gilt auch hier Achtsamkeit. Sollte der Vertrag über die Dauer des Festgeldkontos automatisch verlängert werden, kann die Bank neue Bedingungen festlegen, Strafzins inklusive.

Wem all das zu viel Aufwand ist, der kann einen Teil seines Vermögens auch in Aktien, Anleihen, Fonds, Immobilien oder Sachwerte anlegen. Verbraucherschützer empfehlen günstige börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) mit einem breit gestreuten Index. Wer sich damit nicht auskennt, kann sich an Vermögensverwalter wenden oder im Internet an die digitalen Angebote der Robo Advisor. Vollautomatisiert werden dort Anlagestrategien entwickelt, die je nach Risikobereitschaft und Vorlieben des Kunden gestaltet werden. Doch auch hier gilt für den Kunden, sich unbedingt über Testresultate von Verbraucherschutzstellen und Finanzdienstleistern über Schwächen und Stärken der einzelnen Angebote zu informieren.

Gerade bei Aktien besteht in Deutschland noch viel Potenzial. Der Anteil des deutschen Gesamtkapitalvermögens, das in Aktien investiert ist, beläuft sich auf unter zehn Prozent. Die Vorsicht ist das Resultat einer Sicherheitsmentalität, die durch Nachrichten über dramatische Wertverluste von Aktienkursen in Krisenzeiten noch gefestigt wird. Doch Analysen zeigen, dass Aktien über einen Zeitraum von mindestens zehn, besser 15 oder 20 Jahren eine sehr stabile Rendite abwerfen. Kurzfristige Gewinne sind zwar auch möglich, aber ebenso starke Verluste, wenn Anleger nur auf kurzfristige Investitionen setzen.