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Mediamarkt-Saturn:Tausende Stellen auf der Kippe

Media-Markt

Immer mehr Kunden von Mediamarkt und Saturn tragen nicht mehr selber, sondern lassen liefern. Das Online-Geschäft wuchs stark.

(Foto: Martin Gerten/dpa)

Der Elektronik­händler will alle Märkte in Europa einheitlich organisieren.

Von Michael Kläsgen

Der Elektronikhändler Mediamarkt-Saturn und sein Mutterkonzern Ceconomy haben bekannt gegeben, im Zuge einer Umorganisation europaweit 3500 von etwa 48 000 Vollzeit-Stellen abbauen zu wollen. Der Abbau finde "vorwiegend im europäischen Ausland" statt, hieß es. Das Unternehmen will eine einheitliche Organisationsstruktur einführen. Prozesse sollen standardisiert und zentralisiert werden, Führungsstrukturen in den einzelnen Läden angeglichen werden. Mediamarkt und Saturn waren zuletzt mit 1042 Märkten in 14 Ländern vertreten. In Österreich soll die Marke Saturn in Mediamarkt aufgehen. Eine Maßnahme, die in Deutschland nach Unternehmensangaben nicht geplant ist. Weil wegen Corona weniger Kunden in die Läden kamen, prüft der Händler zudem, "europaweit in begrenztem Umfang defizitäre Stores zu schließen".

Spekulationen, wonach mindestens 20 Läden dicht machen könnten, wollte ein Sprecher nicht bestätigten. Richtig aber sei, dass aufgrund von Filialschließungen weitere Stellen wegfallen könnten. Bei 20 Schließungen könnte sich die Zahl so um 500 auf 4000 Stellen erhöhen. Noch sei nichts entschieden. Die Zahlen könnten sich noch ändern. Der Ceconomy-Aufsichtsrat werde am kommenden Mittwoch über die neue Strukturen und Filialschließungen entscheiden, teilte das Unternehmen mit.

Die Maßnahmen sollen Einsparungen von 100 Millionen Euro pro Jahr bringen und würden nach gegenwärtigem Planungsstand insgesamt 180 Millionen Euro kosten. Bereits im vergangenen Jahr hatte Mediamarkt-Saturn einen Sparplan aufgelegt, durch den rund 600 Jobs abgebaut wurden. Damals sollten die Kosten um bis zu 130 Millionen Euro gesenkt werden.

Mitte Juli hatte Ceconomy noch bekanntgegeben, nach dem Ende der coronabedingten Ladenschließungen schnell wieder Tritt gefasst zu haben. Im Mai lagen die Umsätze des Unternehmens demnach mit 1,5 Milliarden Euro wieder um drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juni übertrafen die Verkaufszahlen mit 1,75 Milliarden Euro den Vorjahreswert sogar um zwölf Prozent. Das lag vor allem am Online-Geschäft, das zwischen April und Juni um rund 145 Prozent gewachsen sei und mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes geliefert habe. Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann sagte damals: "Die Märkte werden weiterhin eine wichtige Rolle in unserer Omni-Channel-Strategie spielen, aber wir müssen und werden uns an das veränderte Kundenverhalten anpassen."

Stellenabbau trotz Staatshilfe

Im April hatte Ceconomy von der Bundesregierung einen Notkredit der staatseigenen Bank KfW in Höhe von insgesamt 1,7 Milliarden Euro erhalten. Düttmann sagte anschließend: "Selbst wenn eine zweite Covid-Welle kommt, sind wir gut aufgestellt, das zu bewältigen." Mediamarkt und Saturn hatten vor Ausbruch der Corona-Pandemie unter dem Wettbewerb mit Online-Händlern wie Amazon gelitten. Ceconomy musste mehrmals hintereinander die Gewinnprognosen wieder einkassieren. In der Folge hatte der Händler seine Führungsmannschaft ausgewechselt. Zu den behördlich verordneten Schließungen von Märkten im März und April kamen noch hohe Abschreibungen auf die französische Beteiligung Fnac Darty hinzu. Anfang des Jahres hatte Ceconomy einen Verlust von 309 Millionen Euro verzeichnet.

Voraussetzung für eine reibungslose Umsetzung der nun bekannt gewordenen Pläne ist das Einverständnis der Familie Kellerhals und ihrer Beteiligungsfirma Convergenta Invest, die gut 21 Prozent an der Media-Saturn-Holding hält. In der Vergangenheit hatte es über strategische Fragen immer wieder Auseinandersetzungen gegeben. Die Zentralisierung des Unternehmens ist seit Jahren ein Thema.

Jetzt geht es konkret darum, dass fünf verschiedene Kategorien von Märkten, abhängig von der Umsatzgröße, eingeführt werden sollen. Für jede Gruppe hat der Konzern die Zahl von Führungspersonen festgelegt. In Deutschland soll monatlich eine zweistellige Zahl von Standorten auf das neue Modell umgestellt werden. Dadurch wird der Freiraum der Marktleiter eingeengt. Die Zahl der Führungskräfte dürfte zudem deutlich schrumpfen. Auch die meisten anderen Mitarbeiter sollen neue Stellenbeschreibungen bekommen und tariflich neu, und wie die Gewerkschaft Verdi befürchtet, schlechter eingruppiert werden.

© SZ vom 06.08.2020
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