Leonardo DiCaprio:Falsche Freunde

Lesezeit: 2 min

Leonardo DiCaprio: "Gerade als jemand, der sich für den Umweltschutz engagiert, ist mir das Streben nach Reichtum um jeden Preis sehr fremd." Leonardo DiCaprio

"Gerade als jemand, der sich für den Umweltschutz engagiert, ist mir das Streben nach Reichtum um jeden Preis sehr fremd." Leonardo DiCaprio

(Foto: AP)

Der Hollywoodstar hat einen Film gemacht, der mit veruntreutem Geld aus einem malaysischen Staatsfonds mitfinanziert wurde.

Die Welt der Kunst und das wahre Leben liegen manchmal nah beieinander. Wer wüsste das besser als Leonardo DiCaprio, einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods? Schließlich ist es seine Profession, zwischen beiden Welten zu wandeln. Doch manchmal wünscht sich sicher auch der 41-jährige DiCaprio etwas weniger Nähe von Fiktion und Realität. Denn er hat Ärger, ausgerechnet mit dem Film "The Wolf of Wall Street". Darin geht es um einen gewissenlosen Börsenspekulanten. Der Film wurde wahrscheinlich auch mit veruntreuten Staatsgeldern aus Malaysia finanziert.

DiCaprio ist Hauptdarsteller und Co-Produzent des Films. Außerdem werden ihm gute Beziehungen zu zentralen Figuren aus der malaysischen Korruptionsaffäre nachgesagt, zu denen Jho Low und Riza Aziz gehören. Bei der Verleihung der Golden Globes 2014, bei denen DiCaprio für seine Rolle in dem Wall-Street-Streifen ausgezeichnet wurde, dankte er ihnen namentlich für ihre Unterstützung. Riza Aziz war mit seiner Firma Red Granite Co-Produzent des Films. Das Problem: Aziz ist der Schwiegersohn des malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak, der auch in den Korruptionsfall verwickelt sein soll.

In dem Skandal geht es um den malaysischen Staatsfonds Malaysia Development Berhad, kurz: 1MDB. Von 2009 bis 2015 sollen mehr als 3,5 Milliarden Dollar von hochrangigen Vertretern des Fonds und ihren Vertrauten veruntreut worden sein. In Singapur, der Schweiz und in den USA laufen Ermittlungsverfahren gegen Banken und Einzelpersonen, die mit dem Korruptionsskandal zu tun haben sollen. Die Verbindung zu "The Wolf of Wall Street" und damit zu Leonardo DiCaprio stellten Ermittler des US-amerikanischen Justizministeriums im Juli her.

Sie vermuten, dass Geld aus dem Staatsfonds 1MDB über Umwege an die besagte Produktionsfirma Red Granite floss. Die soll damit den Wall-Street-Film mitfinanziert haben. Gegen DiCaprio selbst wird bisher nicht ermittelt, er soll davon nichts gewusst haben.

Für ihn geht es deshalb nun darum, sein Image zu wahren. Eine malaysische Korruptionsaffäre passt nicht in das Bild des Kümmerers, der nicht weniger will, als die Welt zu retten. DiCaprio ist schließlich nicht nur Schauspieler, sondern auch UN-Botschafter für den Frieden und hat eine eigene Umweltstiftung. Er kämpft mit vielen öffentlichen Auftritten gegen den Klimawandel. In einem Interview sagte er 2014: "Gerade als jemand, der sich für den Umweltschutz engagiert, ist mir das Streben nach Reichtum um jeden Preis sehr fremd." In dieser Woche forderte eine Schweizer Regenwald-Organisation DiCaprio auf, als UN-Botschafter zurückzutreten, weil er durch seine Kontakte zu den korrupten malaysischen Eliten unglaubwürdig geworden sei.

Die UN winkten sogleich ab, DiCaprio reagierte nicht darauf. Zumindest nicht direkt. Stattdessen meldete sich seine Stiftung zu Wort. US-Medien zitieren einen Sprecher mit den Worten: "Sowohl Herr DiCaprio als auch die Leonardo-DiCaprio-Stiftung werden weiter alle Bemühungen unterstützen, in dieser Angelegenheit für Gerechtigkeit zu sorgen." Tenor des Statements: Die Ermittler sollten Bescheid geben, wenn ihnen verdächtige Zuwendungen auffallen. DiCaprio und seine Stiftung würden sich dann kümmern und alles zurückzahlen.

Am Samstag ist die Premiere von DiCaprios neuestem Film "Before the Flood". Darin geht es um die Folgen des Klimawandels. Der Schauspieler trifft darin Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten aus der ganzen Welt. Bleibt die Hoffnung, dass wenigstens von denen keiner Dreck am Stecken hat.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB