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Legal Techs:Per Algorithmus Forderungen durchsetzen

Online-Anbieter vertreten die Interessen von Kunden gegen Fluggesellschaften oder Lebensversicherer. Dafür kassieren sie ein Erfolgshonorar. Das Modell könnte den traditionellen Rechtsschutzversicherern zu schaffen machen.

Von Anne-Christin Gröger, Köln

Schnell, unkompliziert und digital - mit diesen Eigenschaften werben sogenannte Legal Techs um Kunden, die juristische Unterstützung suchen. Firmen wie Myright, Flightright oder Helpcheck erstreiten Entschädigungen bei verspäteten Flügen, widersprechen bei unrechtmäßig erhöhten Mieten oder prüfen die Möglichkeit des Widerrufs einer Lebensversicherung.

Der Vorteil: Kunden können die Start-ups genau dann in Anspruch nehmen, wenn sie ein juristisches Problem haben und müssen auch nur dann zahlen. Das ist bei Rechtsschutzpolicen anders. Inzwischen kooperieren einige Versicherer auch mit den Newcomern.

Für Verbraucher ist das Angebot der Legal Techs bequem und schnell: "Ich konnte alles zuhause am Rechner erledigen", sagt Katharina Özgören, die den Dienst von Helpcheck in Anspruch genommen hat. Das Start-up hat sich auf den Widerruf von Lebensversicherungen spezialisiert. "Zwei Wochen, nachdem ich alle Unterlagen eingereicht hatte, war das Geld auf meinem Konto", sagt die 38-Jährige.

Das Geschäftsmodell der Legal Techs: Sie prüfen Ansprüche unverbindlich. Besteht Aussicht auf Erfolg, kann der Kunde die Ansprüche an das Legal Tech abgeben. Ab dann übernimmt die Firma die Verhandlungen, bei Erfolg erhält sie einen Teil des erstrittenen Geldes als Provision.

Anwälte hingegen sehen die Aktivitäten der jungen Digitalunternehmen kritisch: Aus ihrer Sicht leisten die Firmen Rechtsberatung, die Anwälten vorbehalten ist. Dem Duisburger Rechtsanwalt Herbert Schons gefällt nicht, dass viele Legal Techs sich gegenüber den Kunden als Verbraucherschützer gerieren. "Mich stört diese Robin Hood-Attitüde vieler Plattformen", sagt er. "Die tun so, als kämen erst jetzt die Kunden zu ihrem Recht, nachdem die Plattformen auf den Markt gekommen sind."

© SZ
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