Neuer Garanatiezins:Riester-Rente in Gefahr

Das Bundesfinanzministerium plant eine Absenkung des höchstens erlaubten Garantiezinses für Lebensversicherer. Die Versicherer fordern eine Lockerung der Riester-Garantie.

Von Jonas Tauber, Berlin

Ein Vorstoß aus dem Bundesfinanzministerium stellt die staatlich geförderte Riester-Rente infrage. Das Ministerium plant eine Absenkung des Höchstrechnungszinses von derzeit 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent ab Anfang 2022. Dann dürfen Lebensversicherer ihren Kunden bei neuen Verträgen höchstens diesen niedrigen Zinssatz für die Dauer des Vertrags garantieren. Bestehende Verträge sind nicht betroffen.

Die Versicherungsmathematiker in der Deutschen Aktuarvereinigung fordern schon seit Längerem eine Absenkung, weil die Niedrigzinsen die Renditen drücken. Eine Beschränkung auf 0,25 Prozent soll verhindern, dass Gesellschaften wegen überhöhter Zusagen in Schwierigkeiten kommen.

Doch die Absenkung bedeutet auch, dass sich die Riester-Rente kaum noch darstellen lässt. Der Grund: Nur der Sparanteil der Versicherungsprämie wird verzinst, also der Beitrag minus Vertriebs- und Verwaltungskosten. Wenn ein Riester-Kunde über die Jahre 10 000 Euro einzahlt und davon 800 Euro für Kosten draufgingen, würden nur 9 200 Euro verzinst. Gleichgültig wie hoch der Ertrag tatsächlich ist, den der Versicherer erzielt - als Garantie darf er auf diese 9 200 Euro nur 0,25 Prozent pro Jahr zusagen.

Aber bei Riester ist vorgeschrieben, dass der Versicherer dem Kunden den gesamten eingezahlten Beitrag garantieren muss. Bei Übergang in die Rentenphase müssen in dem Beispiel 10 000 Euro da sein. Diese Vorgaben - höchstens 0,25 Prozent Zinsgarantie und Beitragserhalt - widersprechen sich.

Eine Senkung der Garantie bei Riester fordert deshalb der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Wenn der Höchstrechnungszins abgesenkt wird und gleichzeitig die 100 Prozent-Beitragsgarantie erhalten bleibt, gibt es ab 2022 große Probleme, die zu einer Defacto-Beerdigung der Riester-Rente führen würden", sagt Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, dass in der geplanten Verordnung von den Folgen für Riester keine Rede sei. SPD und Union hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, mit den Versicherern über die Schaffung eines Riester-Standardvertrags ins Gespräch zu kommen. Es gilt inzwischen aber als unwahrscheinlich, dass eine Reform vor der Bundestagswahl noch gelingt.

Die Riester-Rente war einst für die private Altersvorsorge großer Bevölkerungsteile gedacht. Inzwischen steht das Modell unter Druck. Die Verbreitung stagniert, es gibt Kritik an hohen Kosten.

© SZ
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB